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Milchbauern kämpfen ums nackte Überleben

Der Preis ist im Keller und die Lage für Milchviehhalter wird täglich prekärer. Jetzt hat ein Betrieb aus der Region seine Kühe abgegeben. Andere Unternehmen stehen vor der Frage, ob Neuanschaffungen im Stall noch lohnen oder nicht.

Herdenmanagerin Isabell Fechner kümmert sich bei der Agrargenossenschaft Luisenhof ums Wohl der Kühe.
Tobias Lemke Herdenmanagerin Isabell Fechner kümmert sich bei der Agrargenossenschaft Luisenhof ums Wohl der Kühe.

In den Ställen der Agrargenossenschaft Wesenberg stehen keine Milchkühe mehr. Der Betrieb hat sich nach Nordkurier-Informationen von den Tieren getrennt. Genauere Angaben wollte die Geschäftsführung zum Abbau der Sparte Milchproduktion vorerst aber nicht machen. Hintergrund der Entscheidung dürfte aber wohl der inzwischen dauerhaft in den Keller gefallene Milchpreis sein. Nur noch 26 Cent erhalten die Bauern derzeit pro Liter und Besserung ist nicht in Sicht.

Kopfzerbrechen bereitet die Milch-Krise auch den Berufskollegen wenige Kilometer weiter bei der Agrargenossenschaft „Luisenhof“ in Hohenzieritz. Die Lage sei angespannt, lange halte man die Tiefpreis-Phase nicht mehr durch, sagt Vorstandsvorsitzender Axel Didt. Als wenn das nicht schon genug ist, müssen die Genossenschaftsmitglieder gerade jetzt eine wichtige Entscheidung treffen. „Wir stehen vor der Frage, ob wir einen neuen Melkstand anschaffen oder nicht“, erklärt Didt. Die Krux an der Sache: die Entscheidung lässt sich nicht mehr lange aufschieben, da die alte Technik ersetzt werden muss. Bis zum Frühjahr sollen die Würfel gefallen sein. Noch stehen in Hohenzieritz genauso viele Kühe wie vor dem Wegfall der Milchquote im Frühjahr 2015. In Zahlen sind das 350 Tiere.

Züchter kommen Landwirten entgegen

Bei der Agrargenossenschaft Kreckow will man am liebsten gar nicht über das Milchpreistief sprechen. Beim Betrieb stehen 300 Milchkühe im Stall, dazu kommen noch mal 300 Tiere in der Nachzucht. „Wir arbeiten derzeit nach dem Prinzip: größtmögliche Sparsamkeit bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer guten Tiergesundheit“, sagt Ursula Hagemann von der Agrargenossenschaft. Fakt ist, der Betrieb wird auch künftig auf die Milchviehhaltung setzen. Denn selbst wenn die Kreckower den Bereich abschaffen wollten, könnten sie das gar nicht so einfach. „Wir haben erst vor einigen Jahren in einen neuen Stall investiert“, erklärt Hagemann. Dafür flossen Fördermittel, die an die Milchviehhaltung gekoppelt sind.

Letztlich bekommt auch die Rinderallianz aus Woldegk die Milch-Krise zu spüren. Das Gemeinschaftsunternehmen der Rinderzuchtverbände aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt vermarktet nicht nur Bullensperma, sondern bietet umfangreiche Dienstleistungen für Milchviehhalter an. Das Geschäftsjahr sei nun eben nicht mehr auf einen „super erfolgreichen Abschluss“ ausgerichtet, wie Geschäftsführerin Sabine Krüger sagt, sondern auf Strategien zur Unterstützung der Bauern. Die Rinderallianz räumt den Milchproduzenten etwa längere Zahlungsfristen, sogenannte Spermagutscheine und andere Preisaktionen ein. „Wir wollen den Milchbauern einmal finanziell entgegenkommen, zum anderen aber auch unseren Service noch optimieren“, erklärt Krüger.