Harte Jobs:

Möbel-Mann kann anpacken und gut zureden

Wer sein Hab und Gut nicht selber schleppen will, wenn er umzieht, der kann Marco Süldt um Hilfe bitten. Der Neustrelitzer ist aber nicht nur Umzugsfachmann, sondern auch Seelsorger und Tröster in einer Person.

Marco Süldt und Toni Jacob packen an. Schleppen müssen die beiden Möbelfachkräfte aber nicht mehr viel. Das meiste wird mit einem Lift aus den Wohnungen und Häusern transportiert.
Christine Klose Marco Süldt und Toni Jacob packen an. Schleppen müssen die beiden Möbelfachkräfte aber nicht mehr viel. Das meiste wird mit einem Lift aus den Wohnungen und Häusern transportiert.

Ein typischer Möbelpacker ist groß, hat jede Menge Muskeln und ansonsten nicht viel Grips. So lauten zumindest die Vorurteile der meisten Menschen, wenn sie an Umzugshelfer denken. Marco Süldt ist zwar groß, aber weder ein Schrank von einem Mann, noch fehlt es ihm an Grips. „Ich würde mich selbst als Möbelfachkraft bezeichnen“, sagt der 38-Jährige.

Als er vor elf Jahren von Osnabrück wieder zurück in die Residenzstadt zog, hatte er zunächst Probleme, Fuß zu fassen. „Am Anfang lief das Geschäft überhaupt nicht“, erinnert er sich. Denn die Möbelhäuser hatten eigenes Personal, das in den Wohnungen der Kunden die Küchen einbaute. „Aber zwei Jahre später war die Nachfrage so groß, dass ich die Aufträge nicht mehr alleine schaffte“, sagt er.

In seinem Job erlebt der Vater von drei Söhnen so einiges. „Ich dringe in die privatesten Bereiche der Menschen vor“, sagt er. Schließlich räume er neben Wohn- auch Kinder- und Schlafzimmer aus und packe die Sachen in Kartons. „Was mich immer besonders mitnimmt, sind Schicksale von Kindern“, erzählt er. Denn Marco Süldt guckt hinter die Fassaden der Menschen, sieht es, wenn Kinder in ärmlichsten Verhältnissen aufwachsen und kaum ein Spielzeug im Zimmer liegt. „Das macht mich immer sehr nachdenklich.“

Umzug ist auch Neubeginn

Auch wenn sich zwei Menschen trennen, ist der Neustrelitzer oft hautnah dabei - ob er will oder nicht. „Einer muss aus der gemeinsamen Wohnung ja ausziehen. Wir tragen die Sachen weg, der Mann und die Frau streiten sich währenddessen, es wird geschrien und geweint. Ein Anwalt steht zwischen den Parteien und sagt uns, was wir mitnehmen dürfen“, erinnert er sich an eine Situation. Doch es gibt auch die guten Seiten an seinem Job. Denn wenn er gerufen wird, dann verändert sich etwas im Leben der Kunden. „Viele ziehen um, weil sie nach langer Arbeitslosigkeit endlich wieder einen Job gefunden haben, oder wegen der Liebe“, sagt er.

Manchmal muss der 38-Jährige auch mehr als nur anpacken. „Einmal hat mich eine Frau gerufen, die vor ihrem Mann panische Angst hatte und heimlich aus der gemeinsamen Wohnung auszog.“ Auch ältere Menschen, die ins Pflegeheim müssen und ihr Schicksal kaum ertragen können, suchen das Gespräch mit Marco Süldt. „Ich höre dann zu und versuche so gut wie eben möglich für die Menschen da zu sein“, erzählt er. Er ist dann alles in einer Person: Umzugsunternehmer, Tröster, Helfer in der Not. „Deswegen mag ich meinen Job: Er ist abwechslungsreich und man weiß nie, was als nächstes passiert.“

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