Zeitbomben im Waldboden:

Munitionsreste halten sogar die Feuerwehr fern

Massenhaft Munition schlummert auf dem ehemaligen Panzerschießplatz bei Speck. Angrenzenden Dörfern können die Granaten zum Verhängnis werden. Bricht ein Waldbrand aus, hat das für die Einwohner fatale Konsequenzen.

So sieht es aus, wenn Spezialisten mit Metalldetektoren nach Munition suchen. Derzeit wird der ehemalige Panzerschießplatz bei Speck untersucht.
Martin Schutt So sieht es aus, wenn Spezialisten mit Metalldetektoren nach Munition suchen. Derzeit wird der ehemalige Panzerschießplatz bei Speck untersucht.

Es gibt Dörfer im dicht bewaldeten Müritz-Nationalpark, denen kann bei einem Waldbrand keiner helfen. Die Einwohner müssten evakuiert werden. Denn Granzin, Speck, Rehhof, Schwarzenhof, Federow, Karow-Oberdorf und Klockow liegen sehr nah an einem munitionsverseuchten Gebiet - dem ehemaligen Panzerschießplatz Speck.

Ungezählte scharfe Granaten schlummern im Waldboden, sagt Klaus Reimers, Neustrelitzer Außenstellenleiter des Bundesforstbetriebes Vorpommern-Strelitz. "Wenn es auf dieser Fläche brennt, muss man es brennen lassen." Andernfalls könnten explodierende Granaten den Rettungskräften "um die Ohren fliegen".

Kampfmittelberäumer untersuchen jetzt, wie viele Granaten tatsächlich im Waldboden ruhen. "Die Fläche wurde von 1945 bis 1965 von den Russen als Panzerübungsplatz genutzt", erklärt Reimers. Oft wurden scharfe Geschosse abgefeuert. Viele sind nie detoniert, wurden als Blindgänger irgendwo liegen gelassen. Bis heute ticken diese Zeitbomben bis zu einen Meter tief im Erdreich.

Im südlichen Teil liegt die Munition zu dicht

Mit Metalldetektoren wird der Waldboden abgescannt. Aber nur im nördlichen Teil des Gebietes. Im Süden liegen derart viele Granaten, dass der Bereich "weder sondierbar noch beräumbar" ist, wie Reimers sagt. "Um Munition zu sondieren, müsste sie mindestens 70 Zentimeter weit auseinander liegen. Auf diesem Teilstück aber piepen die Sonden durchgehend überall. Man müsste den oberen Bodenmeter komplett abheben und durchsieben."

Spätestens Anfang November sollen die Untersuchungen vorerst abgeschlossen sein. Danach werden Vertreter des Bergungsdienstes, des Nationalparks, der Bundesforst und des Landkreises die weitere Vorgehensweise beraten.

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