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Museen kommen jetzt per Klick ins Haus

Ein gutes halbes Jahr vor Eröffnung des Neustrelitzer Kulturquartiers können bereits Exponate betrachtet werden, die dort erst einziehen.

Während das Neustrelitzer Kulturquartier noch eine Baustelle ist, können im Internet bereits Exponate betrachtet werden, die hier eine neue Heimstatt finden.
André Gross Während das Neustrelitzer Kulturquartier noch eine Baustelle ist, können im Internet bereits Exponate betrachtet werden, die hier eine neue Heimstatt finden.

Museumsfreunde haben in Neustrelitz derzeit schlechte Karten. Die städtische Einrichtung in der Schlossstraße ist bereits seit September geschlossen und verweist im Fenster auf ihre Auferstehung im Sommer kommenden Jahres im gegenüber entstehenden Kulturquartier. Hier wurden zuletzt vor Weihnachten Handwerker beim Innenausbau gesehen, nach Silvester wird es dann sicherlich mit Hochdruck weitergehen.

Da kommt das virtuelle Landesmuseum Mecklenburg gerade recht. Es ist im Dezember auf Sendung gegangen und offeriert im Internet ohne Schließzeiten unter anderem Exponate, die erst in ein paar Monaten tatsächlich im Kulturquartier Neustrelitz zu bestaunen sind. Und das dreidimensional zum Hin- und Herdrehen!

„Unser Online-Angebot scheint gut anzukommen“, freut sich der Ratsvorsitzende der Stiftung Mecklenburg, Henry Tesch. „Am Eröffnungstag war das Interesse mit 800 längeren Besuchen natürlich überdurchschnittlich, inzwischen registrieren wir pro Tag zwischen 120 und 150 Gäste, die sich ausgiebig mit den Seiten beschäftigen.“ Die Stiftung hatte in dreijähriger Arbeit gemeinsam mit dem Landesmuseumsverband das Internet-Projekt umgesetzt. Auf den Seiten sind knapp 300 Exponate aus 28 Mecklenburger Museen zu bestaunen.

Museen können weitere Stücke selbst einpflegen

Neustrelitz ist mit einer Büste König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, 1816 von Christian Daniel Rauch geschaffen, einem großen Tafelaufsatz von 1860 und der Gründungsurkunde der Stadt Strelitz von 1349 vertreten. Außerdem werden das ebenfalls von Rauch geschaffene Kopfstück des Sarkophags von Königin Luise (1817) und der Prunkpokal mit dem Weißen Adlerorden (1760) gezeigt. Die Zuarbeiten hat der künftige Chef des Kulturquartiers, Albrecht Pyritz, geleistet. „Wir haben uns zunächst auf die aussagekräftigsten Exponate beschränkt, es liegt an den Museen, weitere Stücke in die Sammlung einzupflegen“, erläutert Tesch.

Inzwischen wollen weitere Häuser in das virtuelle Landesmuseum aufgenommen werden, darunter das Schliemann-Museum Ankershagen und das Reuter-Museum Stavenhagen. Es gibt aber nach Auskunft der Stiftung auch Anfragen von peripheren Einrichtungen, die keine reinen Museen sind.

In ihren Erwartungen bleiben die Macher des virtuellen Landesmuseums bescheiden. „Wir sehen jetzt nicht die großen Zuwächse an Besuchern in den mecklenburgischen Museen. Am demografischen Problem kommen wir auch hier nicht vorbei. Aber vielleicht gelingt es uns mit dem neuen Angebot, das Interesse für die Museen zumindest zu sichern“, hofft Tesch. Die Plattform soll auch genutzt werden, um die Vermittlung von Geschichte voranzubringen.