Zoff im Schutzgebiet:

Nationalpark legt Anwohnern Bäume in den Weg

Aufräumen am Dorfrand strengstens verboten: Was die erbosten Anwohner als chaotisch und verschandelt stört, ist für die Verursacher naturnah. Und ein Vorschlag zur Güte entpuppt sich als nicht wirklich einer, auch wenn er erst einmal angenommen wurde.  

Selbst Hindernisläufer dürften hier ihre Probleme haben. Umgerissene Bäume blockieren die von jeher gewohnte Abkürzung zwischen den Dorfteilen.
André Gross Selbst Hindernisläufer dürften hier ihre Probleme haben. Umgerissene Bäume blockieren die von jeher gewohnte Abkürzung zwischen den Dorfteilen.

Der Serrahner Revierförster Ralf Pauli war bei einem kurzfristig anberaumten Termin mit Einwohnern von Herzwolde nicht um seinen Job zu beneiden. Er musste sich harscher Kritik erwehren, und das Wissen, sich auf dem Boden der Nationalparkverordnung zu befinden, half ihm gegen die erbosten Bürger wenig. Die sehen es als ein Stück aus dem Tollhaus an, was da am Dorfrand geschehen ist.

Im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht hat die Nationalparkbehörde gefährliche Bäume zu Fall gebracht. Die liegen nun kreuz und quer über einen Weg, der laut Pauli keiner ist. Was die Anwohner mit Verweis auf jahrzehntealte Gewohnheiten der Bewegung zwischen Ober- und Unterdorf aber ganz anders sehen. Besonders erzürnt sie, dass sich in diesem Bereich ein Bolzplatz für den Nachwuchs und auch ein Rodelhang befinden.

Die Kettensäge im Schuppen

Nun hat ja ein echter Herzwolder die Kettensäge im Schuppen, aber genau da scheiden sich die Geister. Es darf nicht aufgeräumt werden. „Das kann doch wohl nicht wahr sein“, erregte sich Bernhard Luplow, der den Nordkurier angerufen hatte. Im Gegenteil: Die zu Boden gebrachten Stämme und Äste sind so drapiert, dass es anmuten soll wie natürlicher Windbruch. Und der bleibt im Nationalpark liegen, auch wenn es sich nicht um seine Kernzone, sondern die äußerte Ecke handelt, wenige Meter von den ersten Bungalows entfernt.

„Wir haben dazu sogar eine spezielle Technologie entwickelt“, erklärte Pauli den finster dreinblickenden Leuten. Ein Seil werde per Katapult in die Baumkrone geschossen und der Baum dann maschinell umgerissen, damit es keine unnatürlichen Schnittstellen gebe. Nur in Ausnahmefällen komme die Motorsäge zum Einsatz. Allerdings waren vor Ort keine Wurzelballen zu sehen, kaschierte Schnitte hingegen reichlich, was eher gegen die geschilderte Vorgehensweise spricht. Es gebe übrigens auch Naturfreunde, die das angerichtete Chaos nicht als unaufgeräumt, sondern als schön empfänden, umriss der Förster in Diensten des Nationalparks die Bandbreite der Meinungen. Bewunderer waren an dem Tag nicht zur Stelle.

Ein Antrag könnte helfen

„Man kann doch Naturschutz nicht gegen die Bürger machen“, schimpfte Dieter Behrends, dessen Elternhaus in Herzwolde steht. „Und mit Arroganz kommt man gleich gar nicht weiter.“ Andere Anlieger forderten eine Überarbeitung der Nationalparkverordnung hinsichtlich wohnortnaher Bereiche.  

Es zeichnete Pauli aus, dass er einen Vorschlag zur Güte unterbreitete, nachdem er den Unterschied zwischen Wirtschafts- und Naturwald erläutert hatte. Er empfahl dem ebenfalls herbeigeholten Bürgermeister von Wokuhl-Dabelow, Longin Schöler, als Gemeinde doch in diesem Bereich einen Wanderweg beim Nationalparkamt zu beantragen. Allerdings könne auch der sich nur um die herumliegenden Stämme und Äste winden, welche auf jeden Fall liegen blieben. Schöler will sich zusammen mit dem Bauamt Neustrelitz-Land kümmern. Allerdings dürfte der Antrag wenig Chancen haben. Es gibt bereits einen offiziellen Weg, der auch zum Ziel führt. Der ist allerdings mehr als doppelt so lang.

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