Jagd soll diesmal skandalfrei ablaufen:

Nationalpark will aus Negativschlagzeilen

Kommende Woche wird es erstmals nach dem "Gemetzel" wieder eine Jagd im Nationalpark Müritz geben. Diesmal darf nichts schief gehen. Der Forstamtsleiter persönlich übernimmt die Aufsicht.

Herbstzeit bedeutet Hochsaison für die Jäger, auch im Müritz-Nationalpark. Doch Minister Till Backhaus (SPD) hat versprochen, dass die Jagd im Schutzgebiet „neu ausgerichtet“ wird. So neu wird aber erst einmal nicht vorgegangen. Die Verantwortlichen für das Schutzgebiet ziehen sich auf Bewährtes zurück, garantieren aber gleichzeitig, dass es keine Entgleisungen wie 2012 mehr geben wird. Damit auch das Wild den herbstlichen Sonnenuntergang genießen kann.
Patrick Pleul Herbstzeit bedeutet Hochsaison für die Jäger, auch im Müritz-Nationalpark. Minister Till Backhaus (SPD) hat versprochen, dass die Jagd im Schutzgebiet „neu ausgerichtet“ wird.

Den Organisatoren der diesjährigen Ansitzdrückjagden im Müritz-Nationalpark steckt noch der Schreck in den Gliedern. Parkverwaltungschef Ulrich Meßner macht kein Hehl daraus, dass die Schlagzeilen um eine skandalträchtige Großjagd im vergangenen Herbst mit anschließendem Ministergewitter nicht ohne Wirkung geblieben sind.

Der seinerzeit verantwortliche und vorsorglich versetzte Dezernent Falk Jagszent, zu dessen möglichen Verfehlungen es übrigens noch immer keinen abschließenden Spruch gibt, ist noch nicht ersetzt. So wird Matthias Puchta, Forstamtsleiter Neustrelitz, sich diesmal in Amtshilfe den Hut des Jagdleiters aufsetzen.

Keine Fremden mehr zugelassen

Am kommenden Dienstag wird bei Langenhagen der Auftakt zu den insgesamt 16 bleifreien Ansitzdrückjagden in den Parkrevieren vollzogen. Die letzte der Wildbestandsregulierungen, wie es im Nationalpark-Vokabular heißt, wird am 19. Dezember angeblasen. Nicht mehr bis ins Letzte beherrschbare Jagden mit bis zu 160 Waidmännern wie im vergangenen Jahr wird es nicht mehr geben. Laut Ulrich Meßner sind durchschnittlich 45 Teilnehmer dabei, im Revier Babke werden mit 78 Jägern die meisten aufgeboten, im Revier Federow sind es hingegen nur zwanzig. Alle Jäger sind der Verwaltung bekannt, fremde nicht mehr zugelassen.

Zugleich ist die Zahl der Jagden insgesamt um drei reduziert worden. Der Leiter des Nationalparkamtes betonte, dass keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse gewonnen wurden. „In diesen Größenordnungen haben wir in den zurückliegenden Jahren immer gejagt.“ „Vor jagdpolitischen Hintergründen, die aber eine andere Frage sind“, sei der Versuch effizienter zu sein 2012 gescheitert. Also ziehe sich die Nationalparkverwaltung auf Bewährtes zurück.

Jetzt wird alles kontrolliert

Mit höchster Akribie wird die Abschuss-Statistik geführt. „Wenn der Plan bei einer bestimmten Wildart in einer bestimmten Altersgruppe und bei männlichen oder weiblichen Tieren erfüllt ist, wird sofort dicht gemacht, um die Sozialstrukturen zu wahren“, versicherte Meßner. Bei der als „Gemetzel“ bekanntgewordenen Jagd im zurückliegenden Jahr war beipielsweise bei Damwild in einer Altersklasse deutlich „überschossen“ worden. 

Die aktuelle Ansitzdrückjagdsaison wird von einer „Transparenzoffensive“ der Parkverwaltung begleitet. Medien, Jagdverbände, Hegegemeinschaften und auch der Förderverein des Müritz-Nationalparks haben die Möglichkeit, ihre Vertreter zu den Jagden zu entsenden. „Alle haben die Chance, sich vom ordnungsgemäßen Ablauf zu überzeugen“, unterstrich Ulrich Meßner. Trotz des Negativerlebnisses von 2012 hätten die Organisatoren die nötige Routine, wüssten, was sie tun. „Sonst kann man es auch nicht gut machen.“

Kommentare (1)

nicht der vollständige Text, so wie in der Druckausgabe? Interessanterweise wurde der letzte Absatz weggelassen, in dem der Leiter des NPA die Verfehlungen seines Dezernenten stark relativiert. Das ist doch sehr merkwürdig.