Widerständler und Kriegsverbrecher:

Gedenktafel wirft Fragen auf

In der Neustrelitzer Parkstraße erinnert eine Gedenktafel an Hans Emil Otto Graf von Sponeck. Doch der Mann hat nicht nur Gutes geleistet...

Diese Tafel erinnert in der Neustrelitzer Parkstraße an den Wehrmachtsgeneral von Sponeck, der 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. Wie sich zwischenzeitlich herausstellte, ist der Mann nicht nur ein Widerstandskämpfer gewesen.
Marlies Steffen Diese Tafel erinnert in der Neustrelitzer Parkstraße an den Wehrmachtsgeneral von Sponeck, der 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. Wie sich zwischenzeitlich herausstellte, ist der Mann nicht nur ein Widerstandskämpfer gewesen.

Muss die Gedenktafel jetzt abgeschraubt werden? In der Neustrelitzer Parkstraße wird seit 1992 an einen von den Nazis hingerichteten Wehrmachtsgeneral erinnert. Doch der Mann war offenbar nicht nur ein Widerständler gegen das Hitler-Regime. Er soll auch an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein. Das hat ein US-Historiker herausgefunden. In Bremen, wo auch an den Wehrmachtsgeneral Hans Emil Otto Graf von Sponeck (1888 - 1944) erinnert wird, soll jetzt sogar ein Stolperstein für Sponeck wieder entfernt werden. Das hat der Kölner "Vater" der Stolpersteine, Gunter Demnig, gefordert. Stolpersteine erinnern mittlerweile in vielen Ländern an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt oder ermordet wurden. Auch in Neustrelitz gibt es über 20 solcher Steine. Für von Sponeck allerdings noch nicht. Aber es gibt  eine Gedenktafel, die an ihn erinnert.

Bundeswehr ignoriert die schlimmen Fakten

Doch was hat jetzt das Bild von Hans Emil Otto Graf von Sponeck verändert? Medienformationen  zufolge hat der amerikanische Historiker Erik Grimmer-Solem sich mit von Sponeck beschäftigt. Seine Forschungsergebnisse stellen den Wehrmachtsgeneral, der von 1933 bis 1937 in Neustrelitz wohnte und hier Kommandeur bei der Infanterie war, in einem differenzierteren Licht als offenbar bislang bekannt dar. Demnach sorgte von Sponeck dafür, dass gefangene jüdische Soldaten aus den Reihen der Roten Armee und auch Zivilisten an die SS ausgeliefert wurden. Zudem soll er auf der Krim angeordnet haben, Rotarmisten und Partisanen ohne Prozess zu erschießen.

Vor dem Amerikaner Grimme-Solem hatte sich nach dem Nordkurier vorliegenden Informationen bereits im Jahr 2004 ein Luftwaffen-Major mit Sponecks Vita befasst und sich an die Bundeswehr gewandt. Passiert war jedoch offenbar nichts. Im vergangenen Jahr gab es dann eine Anfrage aus der Bundestagsfraktion der Linken. Die Bundesregierung äußerte sich anschließend kritisch dazu, dass das Luftwaffenamt offenbar keine Recherchen hinsichtlich der Beteiligung von Sponecks an Kriegsverbrechen unternommen habe.

Land will die Villa zurück

In der Hansestadt Bremen hat Gunter Demnig Klartext gesprochen. Ob die Gedenktafel an einem Zaunpfeiler der Parkvilla in der Neustrelitzer Parkstraße jetzt noch ihre Berechtigung hat, darüber ist noch nicht entschieden. In der Parkvilla hat von Sponeck während seiner Neustrelitzer Zeit gewohnt.

Das Land als früherer Besitzer der Immobilie versucht gerade, die heruntergekommene Villa zurückzubekommen. Das Gebäude war vor über zehn Jahren an einen Privatmann verkauft worden, der dort eine Business-School errichten wollte. Die Pläne konnten aber nie umgesetzt werden. Letztlich hat das Land von einer Rückfallklausel, die im Kaufvertrag mit dem Privatmann verankert war, Gebrauch gemacht. Der Rechtsstreit darüber, ob die Rückübertragung auch zustande kommt, ist noch nicht beendet, sagte Christian Hoffmann, Sprecher des Betriebs für Bau und Liegenschaften des Landes (BBL) dem Nordkurier. Erst wenn sich die Parkvilla wieder im Besitz des Landes befinde, werde man auch eine Entscheidung darüber fällen, was mit der Gedenktafel für den Wehrmachtsgeneral Graf von Sponeck wird. Er galt als Widerständler gegen Hitler, weil er dessen Durchhaltebefehl zum Trotz im Jahr 1941 auf der Krim in für die Wehrmachtstruppen aussichtsloser Lage diese von der Front zurückzog und somit Soldaten vor Gefangenschaft und Tod bewahrte. Wegen seines Ungehorsams wurde er 1942 zum Tod verteilt und 1944 hingerichtet.

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Kommentare (2)

Das ist aber schon immer ein Problem in der BRD gewesen. Verbrecher werden geehrt und nicht juristisch Verfolgt. Von Anfang an konnten in beiden teilen Deutschlands Nazis wieder Fuss fassen. Und noch immer werden KZ Verbrecher von der Justiz nicht verfolgt. Keiner kann behaupten man habe nuchts gewusst. Es wusste jeder was mit den Juden passierte. Es wird Zeit alle Nazis die im KZ gearbeitet und sonst Verbrechen begangen haben anzuklagen und zu verurteilen. Die Opfer aus dieser Zeit sind endlich zu Entschädigen. Die Tafel gehört natürlich abgebaut.

Nach 70 Jahren sollte irgendwann mal Schluss sein. Mich stört die Tafel nicht, im Gegenteil. Nicht alle Soldaten im dritten Reich waren schlechte Mennschen. Aber vielleicht wird ja endlich einmal damit begonnen, die Verbrecher des DDR Regimes und der NVA zu verurteilen. Nicht zu vergessen die russische Besatzungsmacht, die unbeteiligte Frauen vergewaltigt und Männer ebenso in KZ hingerichtet hat.