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Pfeile schwirren durch die Seenlandschaft

Steckt in uns allen ein Indianer? Wieso treffen Frauen mit Pfeil und Bogen besser? Alles eine Frage der Intuition – meint André Klinger, der in der Feldberger Seenlandschaft Kurse in einer besonderen Art des Bogenschießens anbietet.

Bogenschießen ist ein Ausgleich für Alltagsstress, meint André Klinger.
Ralph Schipke Bogenschießen ist ein Ausgleich für Alltagsstress, meint André Klinger.

„Diese Bewegungsabläufe haben wir in den Genen“, ist sich André Klinger sicher. Schließlich gehört Bogenschießen schon seit der Steinzeit und bei vielen Naturvölkern rund um den Globus zum Überlebensprogramm. Klinger bietet in Koldenhof „instinktives Bogenschießen“ an. Bei ihm geht es weniger darum, mit dem Flitzebogen der Kindheit durch Wald und Wiesen zu flitzen. Auch mit dem Hochleistungssport Bogenschießen hat der ehemalige Kanute beim SC Neubrandenburg auf seiner Wiese hinterm Haus eher weniger im Sinn. „Zu mir kommen oft Menschen, die zwar Sport machen möchten, aber dabei nicht schwitzen wollen“, erklärt er. Wer Stress, Schweiß und Hektik im Büro habe, sucht in der Freizeit nach dem Gegenteil – Entspannung und Ruhe.

Bogenschütze Klinger ist nicht allein mit seiner Ansicht, dass viele körperliche und geistige Abläufe – Überlebensroutinen gewissermaßen – in unseren Genen stecken. Doch während der Industrialisierung und noch stärker in der heutigen Kommunikationsgesellschaft, sind diese Fähigkeiten oft „verschüttet“ worden. Der Lehrer mit Bogen und buntgefiederten Pfeilen im Köcher möchte dabei helfen, sie wieder zu entdecken. Gleichzeitig verschafft er seinen Kursteilnehmern einen Freizeitspaß an frischer Luft, ungewöhnliche Erlebnisse und ganz viel Selbsterfahrung.

Beim instinktiven Bogenschießen kommt es nicht zuerst auf das Material der Bögen und Pfeile an. Und es kommt auch nicht so sehr auf das Zielen, nicht einmal auf das Treffen der großen bunten Scheibe in zehn oder zwanzig Meter Entfernung vom Schützen an. Erfahrungsgemäß falle es Frauen viel leichter, nicht so zielfixiert an die Sache heran zu gehen und der Intuition freien Lauf zu lassen.

Treffen ist nicht das erste Ziel

Der Weg sei das Ziel, zitiert der 50-jährige meditative Bogenschütze gern eine in der westlichen Zivilisation häufig vergessene Weisheit. Ähnlich wie beim Yoga kommt es beim instinktiven Zielen mit dem Bogen nicht so sehr auf das Treffen an. Viel mehr auf Dinge wie Atmung, Beruhigung des Geistes, Wiederentdeckung der Verbindungen von Bewusstsein und Körper – auf eine vorurteilsfreie Selbstwahrnehmung an.

Für eine etwa neunzigminütige Einführung kommen zu ihm dabei keineswegs nur Leuten auf Selbsterfahrungs-Trip. Kinder und Erwachsene, Menschen im Rollstuhl, in der Reha oder gestresste Manager, hat er inzwischen schon in der uralten Kunst des Bogenschießens unterwiesen. Das Schöne an diesem Sport: Außer Neugier, Intuition und Spaß benötigt sein Schüler am Bogen keine weiteren Voraussetzungen.