Theater in der Fußballloge:

Schauspieler ziehen ins Stadion

Sportler sind Kulturbanausen und Theaterbesucher sind Sportverächter? Weder noch, wollen Landestheater und Fußballclub jetzt beweisen.

Wolfgang Grossmann spielt den Fußballtrainer, der die Zuschauer an seiner Weisheit teilhaben lässt. So zieht der Schauspieler vom Theater (oben) ins Stadion (unten). So kann es passieren, dass es stimmig wird, wenn Zuschauer im Stadion „Schauspieler“ rufen.
Dittmar/Schütt/Büttner, Mont.: H. Ackermann Wolfgang Grossmann spielt den Fußballtrainer, der die Zuschauer an seiner Weisheit teilhaben lässt.

Das Parkstadion als Theaterbühne – so könnte es zukünftig in Neustrelitz zugehen. Im Januar wird es in der TSG-Lounge, wo sonst begeisterte Fußballfans sitzen, zum ersten Mal eine Schauspiel-Aufführung geben.

Mit der Zusammenarbeit wollten Landestheater und TSG unter anderem einer „Entweder-Oder“-Überlegung den Neustrelitzer Sozialdemokraten Wind aus den Segeln nehmen. Die SPD hatte im Frühjahr gefragt, ob die Bürger mehr Geld fürs Theater oder mehr Geld für die TSG befürworten würden. Dafür haben Chantal Obermair, Chefdramarurgin der Theater und Orchester GmbH, und Klaus Mewes, Vorstandsmitglied der TSG Neustrelitz, auch heute noch wenig Verständnis. „Sport und Theater bereichern die Stadt, da sollte man nichts streichen. Wir wollten uns nicht gegeneinander ausspielen lassen“, betonen beide.

Katrin Kramer berät als Dramaturgin den Regisseur bei dem Solo-Stück „Leben bis Männer oder Der Fußballtrainer“ von Thomas Brussig, das demnächst auf die Bühne, pardon, ins Stadion kommen soll. Für Eintracht-Frankfurt-Fan Kramer ist das eine tolle Kombination. Im Stück philosophiert der namenlose Trainer über seinen Fußballverein, Welt­politik und die Wendezeit. „Ein Mann, eine Trillerpfeife und ein Fußball“, so stellt sich Chantal Obermair das Theaterstück in der TSG-Lounge vor. Mehr Requisite ist nicht vorgesehen, weil auch der Platz für ein ­größeres Stück kaum ausreicht. Die Winterpause im Fußball soll sicherstellen, dass Theaterfreunde und Fußballfans gleichermaßen in das Parkstadion pilgern.