Und jetzt wird das Geschäft erweitert:

Schleckerfrauen halten immer noch zusammen

Selbst ist die Frau, dachten sich Kerstin Bartel und Katrin Büttner, als ihnen plötzlich die Arbeitslosigkeit drohte. Sie eröffneten ihren eigenen Laden und jetzt sogar einen zweiten.

Katrin Büttner und Kerstin Bartel (von rechts) haben sich  in Wesenberg selbstständig gemacht. Jetzt eröffnen sie eine zweite Filiale in Mirow. Dort wird ihre ehemalige Kollegin Gabriele Kracht als Verkäuferin arbeiten.
Susanne Böhm Katrin Büttner und Kerstin Bartel (von rechts) haben sich  in Wesenberg selbstständig gemacht. Jetzt eröffnen sie eine zweite Filiale in Mirow. Dort wird ihre ehemalige Kollegin Gabriele Kracht als Verkäuferin arbeiten.

Die Schleckerfrauen halten zusammen, obwohl es ihren gemeinsamen Arbeitgeber seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gibt. Erst arbeiteten Kerstin Bartel und Katrin Büttner als Verkäuferinnen im Schlecker-Markt in Wesenberg. Als die Drogeriekette Pleite ging, gründeten sie Ende 2012 ihren eigenen Drogerie- und Lebensmittelmarkt namens Dro-Le. Jetzt erweitern die Unternehmerinnen ihr Geschäft sogar. Am Freitag eröffnen sie in der Strelitzer Straße in Mirow ihre zweite Filiale. Zur Unterstützung haben sie eine alte Kollegin ins Boot geholt: Gabriele Kracht aus Wesenberg. Die 46-Jährige wird als Verkäuferin in dem neuen Laden arbeiten. „Schleckerfrauen sind wie eine große Familie“, sagt Kerstin Bartel.

Hinter Kerstin Bartel und Katrin Büttner liegt eine bewegte Zeit: die plötzliche Insolvenz ihres Brötchengebers, die drohende Arbeitslosigkeit, der aufregende Schritt in die Selbstständigkeit. Jetzt sind sie gerade zur Ruhe gekommen – und nehmen prompt ihr nächstes großes Projekt in Angriff. Warum?

„Eigentlich wollte ich nicht so richtig. Ich bin eher der ängstliche Typ“, sagt Katrin Büttner (47). Letztlich fassten sich die Frauen aber doch ein Herz. „Wir hoffen, dass wir mit zwei Läden wirtschaftlicher arbeiten können“, erklärt Kerstin Bartel (48). „Wir müssen von den Großhändlern immer große Verpackungseinheiten kaufen. Als kleiner Privatkrauter wird man die Ware aber nicht so schnell los, sondern muss sie lagern. Nun können wir die Produkte auf zwei Läden verteilen.“

Verkäuferin ist ein Wagnis eingegangen

Den zweiten Anstoß gaben die Mirower. „Wir wurden tatsächlich von Mirowern angesprochen, ob wir uns nicht erweitern wollen.“ Schließlich fiel die Entscheidung: „Wir versuchen es. Wir werden ja sehen, ob es funktioniert.“ Das Risiko schätzen beide als überschaubar ein. Die gemieteten Räume können halbjährlich gekündigt werden. Investiert haben die Geschäftsfrauen in Renovierungsarbeiten, Fußbodenfliesen und Verkaufsregale.

Auch Verkäuferin Gabriele Kracht ist ein kleines Wagnis eingegangen. Ohne zu wissen, ob ihr neuer Arbeitsplatz überhaupt Bestand hat, kündigte sie ihren sicheren Job als Verkäuferin bei einem großen Lebensmittel-Discounter. Die Arbeit in einem  kleineren Geschäft gefällt ihr besser. „Hier kann man jeden persönlich zum Regal führen und ihm bei der Auswahl helfen.“ Wie können kleine Gemischtwarenläden neben der Übermacht der großen Ketten überhaupt bestehen? Kerstin Bartel und Katrin Büttner setzen auf Kundenbindung. Unter der Kasse liegt ein Wunschbuch, in dem spezielle Kundenwünsche notiert und nach Möglichkeit erfüllt werden. Wenn Hilfe beim Tragen der Einkaufstüten gebraucht wird, packen die Frauen mit an. Die Kunden wiederum verweilen oft länger als nötig im Laden, halten einen Plausch an der Kasse oder genehmigen sich eine Pause bei Kaffee und Bockwurst am Stehtisch – ganz wie im guten alten Tante-Emma-Laden.

 

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