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Schmale Kassen: Dann müssen die Steuern rauf

80 000 Euro weniger Gewerbesteuer. Das ist für eine kleine Gemeinde wie Hohenzieritz schon eine gewaltige Hausnummer. Wie kommt so ein Minus eigentlich zustande?

Gemeinden in Mecklenburg-Strelitz müssen sparen. Denn in ihren Kassen ist nicht viel drin. Und die Hoffnung auf Gewerbesteuern trüg. Nur selten rollt da in diesem Bereich der Euro.
Gerhard Ledwinka-Fotolia.com Gemeinden in Mecklenburg-Strelitz müssen sparen. Denn in ihren Kassen ist nicht viel drin. Und die Hoffnung auf Gewerbesteuern trüg. Nur selten rollt da in diesem Bereich der Euro.

Beim Blick auf den Haushaltsentwurf der Gemeinde Hohenzieritz reibt sich der Betrachter die Augen. Schwarz auf Weiß steht da für das Jahr 2014 ein Betrag von 103 779,90 Euro als Gewerbesteuereinnahme. Ein Jahr später wird an dieser Stelle nur noch der Bruchteil dieses Betrages ausgewiesen, nämlich gerade mal 20 000 Euro. Ein gewaltiges Minus. Wie kommt die Kommune mit diesem Einnahmeausfall zurecht?

„Das ist ein Ausreißer“, relativiert Kämmerin Veronika Lange-Marquart die vermeintliche Finanzmisere. „Und zwar ein Ausreißer nicht nach unten sondern nach oben. Das heißt, Hohenzieritz hat im Normalfall mit 20 000 bis 40 000 Euro Gewerbesteuereinnahme im Jahr gerechnet. Die hohen Einnahmen von 2014 waren eine Ausnahme“, erklärt sie. Dass die wenigen ortsansässigen Gewerbebetriebe auch weiterhin so große Gewinne abwerfen, darauf könne sich die Gemeinde nicht verlassen. „Die Gewerbesteuer ist ohnehin für ländliche Gemeinden keine verlässliche Einnahmequelle“, macht sie deutlich. Die stabilere Steuereinnahme sei die Grundsteuer. „Denn Gründstücke können ja nicht verschwinden“, sagt Veronika Lange Marquart.

Große Sprünge sind nicht drin

Sicher freut sich jede Gemeinde, wenn mehr in die Kasse gespült wird als geplant. Aber dieses Mehr zu verbraten, sei nicht ratsam. „Denn ausnahmslos alle Gemeinden im Amtsbereich Neustrelitz Land müssen jetzt schon auf ihre Rücklagen zugreifen, um ihre laufenden Kosten zu begleichen“, sagt die Kämmerin. Große Sprünge seien nicht drin. „In die Infrastruktur ist viel Geld geflossen. Nun kommen auf die Kommunen Instandsetzungskosten zu. Für solche Maßnahmen müssen sie Mittel vorhalten. Das ist nicht immer leicht“, sagt Veronika Lange-Marquart.

Für Bürgermeister und Gemeindevertreter ist es keine angenehme Aufgabe, weitere Einnahmequellen zu erschließen, sprich Steuern zu erhöhen oder Beiträge für bisher kostenlose Leistungen zu erheben. „Da macht sich niemand mit beliebt, aber einen anderen Weg gibt es nicht“, schätzt die Kämmerin ein.