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Schmierereien stehen nicht im Stundenplan

VonSusanne SchulzNur eigens freigegebene Wände kommen zum Besprühen in Frage fürdie Teilnehmer von Philipp Erdmanns Graffiti-Workshop – zum Beispiel am ...

Mit einzelnen Buchstaben geht’s los bei dem Workshop, bei dem Philipp Erdmann (links) junge Leute aus der Bluebox und weitere künftige Sprayer mit der Kunst des Graffiti-Sprühens vertraut macht.  FOTO: Susanne Schulz

VonSusanne Schulz

Nur eigens freigegebene Wände kommen zum Besprühen in Frage für
die Teilnehmer von Philipp Erdmanns Graffiti-Workshop – zum Beispiel am 14. Juni auf der Domjüch.

Neustrelitz.Die Songzeile „Ich sprüh’s an jede Wand“ gilt mit Sicherheit nicht für jene jungen Leute, die am Neustrelitzer Kunsthaus den Graffiti-Workshop mit Philipp Erdmann erleben: „Ich bringe euch nicht bei, Häuserwände zu beschmieren. Was man machen kann und was nicht, was legal ist und was nicht, ist ganz wichtig zuwissen“, erklärt der Temp-liner, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der TSG Neustrelitz absolviert.
Leidenschaftlicher Sprayer ist der junge Mann seit etwa acht Jahren. Im Jugendzentrum seiner Heimatstadt und im Freundeskreis wuchs die Begeisterung für Graffiti-Kunst – und die ist für ihn nicht nur ein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung: „Es ist eine Art, mich auszuleben, indem ich Sachen selbst kreiere“, erklärt er.
Die Grenze zwischen Kunst und Vandalismus ist ihm sehr bewusst: Seine Graffiti gibt’s nur auf „legalen“ Wänden; außerdem arbeitet er aufLeinwand und Papier. Wie jeder Sprayer hat er ein persönliches „Tag“, mit dem er seine Motive signiert. Seine Spezialstrecke sind Schriftzüge, Namen, Logos: „Menschen oder Bäume sind nicht mein Ding“, bekennt er.
Für die Teilnehmer seines Workshops, die sich jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr im Kunsthaus treffen, ging es bei einem „Try out“ (Ausprobieren) erst einmal darum, sich an einer eigens dazu im Hof des Borwinheims aufgebauten Wandan der Handhabung der Farbdosen zuversuchen. Wie Linien oder Flächen gesprüht werden, konnten sie dabei erproben; oder wie aus einem einzelnen Buchstaben ein stilisierter Schriftzug entsteht.

Ehemaliges Krankenhaus wird vorm Abriss noch bunt
Die Idee zu dem Workshop entstand im JugendklubBluebox, der wiederum auf der Domjüch „auf denGeschmack kam“, wie Klubleiterin Christine Volgmann erzählt: Von der Domjüch-Vereinschefin Christel Lauerfuhr sie, dass das dortige ehemalige Krankenhaus bis zum geplanten Abriss noch als Graffiti-Fläche gestaltet werden könne. Unterstützung, um diese Kunstform zu trainieren, fand die Bluebox im Kunsthaus, wo nun auch jeder Workshop-Teilnehmer in einem eigenen Skizzenblock Woche fürWoche seine Ideen festhält.
„Man muss das Motiv im Kopf haben, einfach drauflos sprühen geht nicht“, weiß Christine Volgmann – zumal das Gelände bei den regelmäßigen Führungen öffentlich wahrgenommen wird. Gut vorbereitet sein will daher die geplante Aktion am 14. Juni, wenn Krankenhauswand und ein Bauzaun auf der Domjüch mit Graffiti gestaltet werden. Farben werden – dank der Förderung des Projekts durch die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung – vorhanden sein. Weitere Sprayer sind willkommen, ihre Vorschläge mitzubringen. Auch zum Workshop übrigenskönnen noch weitere künftige Sprayer hinzukommen.

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susanne.schulz@nordkurier.de