Waldorf-Schule macht die Türen auf:

Eltern werden in Sachen Schulweg selbst aktiv

Das Vorurteil gibt es immer noch: Dein Kind lernt hier doch nur seinen Namen zu tanzen. Die Neustrelitzerin Birgit Rüdiger ist anderer Meinung. Ihr Kind lernt in der Waldorf-Schule Seewalde.

Eine Unterrichtsstunde zum Zuschauen gab es in der Waldorf-Schule Seewalde.
Marlies Steffen Eine Unterrichtsstunde zum Zuschauen gab es in der Waldorf-Schule Seewalde.

In Seewalde wurde am Sonnabend die Schulbank gedrückt. Ausnahmsweise. Die Waldorf-Schule hatte zum Tag der offenen Tür geladen. In den Klassenräumen drängten sich die Besucher auf Stühlen und Bänken, um den Hauptpersonen des Tages, den Schülern, beim „Schau-Unterricht“ zuzusehen.

In Klassenstufe  1 und 2 gab es viel Bewegung, viel Gesang und Buchstaben, aus denen Worte geformt wurden. Die größeren Schüler präsentierten stolz ihre Baustelle. Eine Mauer, die sie vor der Schule errichten und in der bei der Grundsteinlegung sogar ein „Nordkurier“ verewigt wurde.

Vier Klassen gibt es an der vor vier Jahren gegründeten Bildungseinrichtung. 31 Mädchen und Jungen lernen dort nach den Prinzipien der Waldorf-Pädagogik. Zu Schuljahresbeginn konnten zehn Schüler in die 1. Klasse aufgenommen werden. Schulleiterin Katrin Dorn sieht das als Beleg dafür, dass die Schule an Akzeptanz gewinnt.

„Anfangs hat uns wohl keiner geglaubt, dass wir lange durchhalten“, so ihr Blick zurück. Mittlerweile hat die Schule einen Antrag auf die Orientierungsstufe gestellt. Auch die 5. und 6. Klasse soll dort künftig  möglich sein, perspektivisch wünscht man sich in Seewalde einen Schulabschluss bis zur mittleren Reife.  Etwa 80 Schüler kann das Schulgebäude aufnehmen, derzeit unterrichten sechs Lehrer in der Einrichtung. Die Schüler kommen unter anderem aus Wesenberg, Mirow, Fürstenberg und Neustrelitz.

Kinder lernen durchaus nach Plan

Auch Birgit Rüdigers Tochter Leni besucht die Waldorf-Schule. „Die staatlichen Schulen in Neustrelitz haben nicht das geboten, was wir gesucht haben“, sagt Birgit Rüdiger. In Seewalde hingegen habe die Chemie für sie gleich gestimmt. Ihre Tochter lernt gut, die Kinder bewegen sich viel, sie sind nicht gestresst vom Unterricht – die Mutter ist zufrieden.

Im Bekanntenkreis hat sie unterdessen auch mit Vorurteilen gegenüber der Waldorf-Pädagogik zu tun: „Dein Kind lernt da doch nur seinen Namen zu tanzen“, diesen Satz hört sie häufiger. Und entgegnet dann, dass die Kinder sehr wohl lernen und das durchaus nach Plan. Schulleiterin Katrin Dorn kennt den Satz mit dem „Namen tanzen“ ebenfalls. Auch sie hat öfter mit dem Vorurteil zu tun, dass in der Waldorf-Schule nur gespielt wird. „Kommen Sie zu uns, dann sehen Sie, was wir wirklich machen“, sagt sie mit Blick auf die Vorurteile.

Nach der Gründung der Schule war allerdings die meist gestellte Frage,“wie soll mein Kind in das abseits gelegene Seewalde kommen?“. Die Frage wird zwischenzeitlich nicht mehr so häufig gestellt, sagt die Schulleiterin.

Die Eltern würden gut selbst die Inititiave ergreifen. Die Neustrelitzer Eltern beispielsweise hätten eine Fahrgemeinschaft gegründet, erzählt Birgit Rüdiger, in Mirow hätten sich Eltern um einen Bus gekümmert, auch aus Fürstenberg kommen die Kinder mit dem Bus.

Die Einrichtung in Seewalde ist die einzige Waldorf-Schule in Mecklenburg-Strelitz. Sie wird aus Landesmitteln, Mitteln der Kommune, des Schulträgers Dorf Seewalde gGmbH, sowie aus dem Schulgeld der Eltern finanziert.

 

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