Neu in der Mecklenburgischen Seenplatte:

Schweizer päppeln das alte Amtsgericht auf

Das ehemalige Gerichtshaus auf dem Amtswerder hat schon eine Menge erlebt. Und jetzt beginnt für das Gebäude ein neues Kapitel. Ein Schweizer Paar  wird bald dort einziehen.

Die Fenster und Türen erhalten einen neuen Anstrich in einem Grauton. 
             
Klaus-Jürgen Fischer Die Fenster und Türen erhalten einen neuen Anstrich in einem Grauton.  

Von Zürich nach Feldberg in Mecklenburg. Monica und Thomas Ehrsam haben schon den Möbelwagen bestellt. „Wir brechen unsere Zelte in der Schweiz ab und ziehen auf den Amtswerder im idyllischen Feldberg“, bestätigt die Musikerin den Entschluss der beiden Schweizer. Sie haben vor drei Jahren von Berlin aus zum ersten Mal die neuen deutschen Bundesländern bereist und „eine Heimstatt an einem See gesucht“, so Monica Ehrsam.

„Unsere Reise führte uns zunächst ins Hotel nach Boitzenburg, wo uns eine Frau auf Feldberg aufmerksam machte.“ Dort angekommen, hätten sie sich sofort in den Luzinort verliebt. Und als sie auf dem Amtswerder das leer stehende Backsteingebäude entdeckten und ein Nachbar sagte, das könnten sie kaufen, sei die Sache entschieden gewesen. „Wir gehen in den Vorruhestand und ziehen hierher“.

Haus kaputt, aber das schreckte nicht ab

Dass das über 100 Jahre alte Haus sanierungsbedürftig war, habe sie nicht abgeschreckt. Sie beauftragten einen Schweizer und den Feldberger Architekten Thomas Schlutt mit den Umbauarbeiten. Nach Gesprächen mit den Denkmalschutz-Ämtern seien innerhalb eines Jahres die drei Stockwerke und der Spitzboden behutsam saniert worden. Der alte Putz war im Haus bereits von den Vorbesitzern von den Wänden entfernt worden, sodass in Wohnräumen, Küche und Bad die Mauersteine wieder zum Vorschein kommen. Wo Schadstellen waren, sei das „Sichtmauerwerk“ mit alten Abriss-Steinen ausgebessert worden, erklärt Architekt Schlutt. Außen sei das Haus nahezu im ursprünglichen Zustand belassen worden – ein Feldsteinsockel mit Klinkermauerwerk darüber. Die Fenster und Türen erhalten im Moment einen neuen grauen Anstrich, farblich angelehnt an den historischen Zustand. Das Weiß aus DDR-Zeiten ist somit passé. Bei allen Arbeiten haben die Ehrsams darauf geachtet, das regionale, besonders Feldberger Firmen, zum Zuge kommen.

Ganz viel Platz für die Bibliothek

Das Gebäude wurde in den ersten Jahren nach 1900 als Amtsgericht für das Großherzogliche Amt Feldberg erbaut. Dieses umfasste damals immerhin 37 Gemeinden mit rund 7700 Einwohnern. In der DDR wurde das Gerichtsgebäude umgebaut und war nacheinander eine Zentrale Berufsschule für Hauswirtschaftslehre, eine Ausbildungsstätte für Geflügelzüchter und zuletzt die so genannte Betriebsakademie, BAK. Dort wurden Landtechniker, Kfz-Elektriker und Reparaturschlosser ausgebildet.

Früher gab es auch gleich ein Gefängnis im Keller, „davon war aber schon zu meiner Zeit nichts mehr übrig“, berichtet Hanus. „Aber die Kellerwohnung des Gefängnis-Schließers war die Hausmeisterwohnung.“ Auch der alte Gerichtssaal – zeitweilig noch genutzt als Physik- und Chemieraum - existiert nicht mehr. Der Germanist Thomas Ehrsam hat nach seinen Worten in dem großzügigen Gebäude auch Platz für seine umfangreiche Bibliothek gefunden. Der ehemalige Bewohner der Dachgeschosswohnung freut sich über die Pläne der neuen Nachbarn auf dem Amtswerder: „Es wurde Zeit, dass etwas passiert, damit dieses schöne historische Gebäude nicht verfällt und wieder zu einem Kleinod wird“.

 

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