Unverschuldet in Not:

Wenn Oma nicht mehr waschen kann

Zwei Schlaganfälle haben das Leben von Marlene M. von heute auf morgen verändert. Für ihre Enkeltochter, die seit fünf Jahren bei ihr lebt, will sie aber auch weiterhin da sein.

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An jenen Tag im Mai erinnert sich Marlene M. sehr genau. Denn dieser Tag hat ihr Leben verändert. „Als ich morgens aufstand, war mir so schwindelig und übel, dass ich mich gleich wieder ins Bett gelegt habe“, erzählt die 48-Jährige. Eine völlig ungewohnte Situation, denn Marlene M. war stets sehr couragiert und aktiv.

Eine gute Freundin, die gerade zu Besuch war, alarmierte sofort den Notarzt – glücklicherweise. Marlene M.s rechte Körperseite war gelähmt. Aus dem Mundwinkel lief der Speichel. Die Ursache war schnell gefunden: Marlene M. hatte einen Schlaganfall erlitten. Es folgten Intensivstation und Betreuung im Krankenhaus. Und noch bevor sie zur Reha fahren konnte, erlitt sie einen zweiten Schlaganfall.

"Meine Kleine braucht mich doch"

Nach erneutem Klinikaufenthalt dann die Reha. „Ich hatte dort sehr intensive Behandlungen“, erklärt Marlene M. Manchmal sei es wirklich hart gewesen, aber wichtig, weiß sie. „Ich hab mir immer gesagt, ich darf nicht aufgeben. Meine Kleine braucht mich doch“, sagt sie.

Die „Kleine“, das ist ihre Enkeltochter. Das Mädchen ist fünf Jahre alt und lebt seit ihrer Geburt bei der Großmutter. Die Mutter, Marlene M.s Tochter ist psychisch krank und kann das Kind selbst nicht betreuen. So bekam Marlene M. das Sorgerecht für ihre Enkelin. „Die Kleine bringt so viel Freude in mein Leben“, sagt die nun alleinerziehende Frau. Und man merkt ihr beim Sprechen immer noch die Folgen des Schlaganfalls an. Auch jetzt noch ist sie in regelmäßiger physiotherapeutischer und ergotherapeutischer Behandlung.

Früher verdiente sie noch etwas hinzu

Die gelernte Agrotechnikerin verlor vor etwa zehn Jahren ihre Arbeit und lebte lange von Arbeitslosengeld II. Anfangs verdiente sie sich auf 165-Euro-Basis etwas dazu, später 100 Euro im Monat. Alles das ist ihr jetzt aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht mehr möglich.

Durch den Schlaganfall ist Marlene M. zum Sozialfall geworden. Erwerbsunfähigkeitsrente ist beantragt. Vorerst erhält sie Sozialleistungen und das Pflege- und Erziehungsgeld für ihre Enkeltochter.

Und sie musste umziehen. Ihre vorherige Wohnung sei vom Sozialamt als zu groß befunden worden, sagt Marlene M. Die Wohnungsgröße müsse angemessen sein, damit das Amt die Mietkosten trägt. Auch als sie Arbeitslosengeld II erhielt, hat sie einen Anteil an der Miete von 60 Euro selbst gezahlt, weil die vorgeschriebene Größe um einige Quadratmeter überschritten war. Nun aber ist ihr das nicht mehr möglich.

Antrag auf Hilfe lehnte das Sozialamt ab

Die Umzugskosten hat das Sozialamt bezahlt. Doch beim Umzug ging die Waschmaschine kaputt. Sie ist nicht mehr zu reparieren, befand der Monteur. Rücklagen für einen Neukauf hat Marlene M. nicht. Ihren Antrag auf Hilfe lehnte das Sozialamt ab. Mit einem fünfjährigen Kind sei eine Waschmaschine aber sehr wichtig, weiß sie.

Eigentlich müsste sie auch einen neuen Herd kaufen. In der vorherigen Wohnung hatte sie einen Elektroherd, nun kocht sie mit Gas. Zur Wohnung gehört zwar ein Herd, aber bei dem sei nur noch eine Flamme zu nutzen. Vorerst müsse sie damit aber zurechtkommen, denn auch die Kaution für die neue Wohnung ist noch in Raten abzuzahlen.

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