Ansturm auf Pflegestützpunkt:

Selbst Todkranke finden bei ihnen Halt

Zwei Frauen in Neustrelitz leisten schon jetzt Mammutarbeit in Sachen Pflege. Und der Hilfsbedarf in der Region steigt und steigt, immer mehr Menschen sind überfordert.

Kathrin Wulf (rechts) und Annekatrin Wendt sind das Team im Pflegestützpunkt Neustrelitz.
André Gross Kathrin Wulf (rechts) und Annekatrin Wendt sind das Team im Pflegestützpunkt Neustrelitz.

Ein 51-jähriger Mann aus der Umgebung von Neustrelitz wusste nicht mehr weiter. Krebs und nur noch geringe Lebenserwartung, keine Angehörigen, starke Einschränkungen in der Beweglichkeit, kaum noch fähig zur eigenen Körperpflege, geschweige denn zur Haushaltsführung, sozial isoliert, einzige Gesellschaft in der Mietwohnung Hund und Katze. Ein Fall für Pflegeberaterin Kathrin Wulf.

„Der Mann wollte unbedingt in seinen vier Wänden bleiben und natürlich auch die Tiere behalten. Wir haben Anträge gestellt, den Pflegedienst und Physiotherapie organisiert, mit dem Sozialamt einen Hilfeplan aufgestellt, Kontakt mit dem Hausarzt und mit einer Selbsthilfegruppe aufgenommen. Den Umständen entsprechend, ist unser Klient im Moment ganz gut drauf“, so die Beraterin.

Viele sind von Bürokratie überfordert

Ihr gegenüber im Pflegestützpunkt Neustrelitz sitzt Sozialberaterin Annekatrin Wendt. Auch sie erlebt Lebensgeschichten, die sie nicht loslassen. Nur wenige Wochen ist es her, dass sie einer 86-Jährigen aus einer betreuten Wohneinrichtung endlich zum Landesblindengeld einschließlich einer Nachzahlung verhelfen konnte. Zuvor war der Antrag im Landesbesoldungsamt abgelehnt worden. „Nachdem wir bemerkt haben, dass nicht alle medizinischen Befunde berücksichtigt worden waren, haben wir Widerspruch eingelegt. Und das mit Erfolg.“ Die seinerzeit suizidgefährdete Frau sei jetzt „richtig glücklich“.

300 bis 600 Fälle pro Quartal werden im Pflegestützpunkt auf dem Landratsamtsgelände an der Woldegker Chaussee von den beiden Kolleginnen betreut, wobei es seit Jahresbeginn eher in Richtung 600 geht. Das neue Pflegestärkungsgesetz hat zu einem wahren Ansturm auf die trägerunabhängige Beratungsstelle geführt, die seit Februar 2013 für die Altkreise Mecklenburg-Strelitz und Müritz existiert.

„Das Problem ist, dass sich viele Betroffene einschließlich der Angehörigen erst an uns wenden, wenn der Pflegebedarf schon da ist. Wir empfehlen dringend, sich rechtzeitig zu kümmern.“ Viele Bürger seien auch mit der einhergehenden Bürokratie überfordert. Das beginne beim Lesen von Bescheiden und beim Stellen von Anträgen.