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Sensationsfund: Bauer pflügt Diebesgut frei

Von unserem RedaktionsmitgliedFranziska GerhardtErst lag sie im Dorfteich, dann fuhr ein Trecker drüber: Eine Taufschale aus dem 19. Jahrhundert ist in ...

Der Finder Herbert Hanzlik aus Quadenschönfeld

Von unserem Redaktionsmitglied
Franziska Gerhardt

Erst lag sie im Dorfteich, dann fuhr ein Trecker drüber: Eine Taufschale aus dem 19. Jahrhundert ist in Quadenschönfeld gefunden worden. Sie wurde um die Wendezeit aus der Kirche gestohlen.

Warbende/Quadenschönfeld.Einen langen Weg hat sie hinter sich, aber jetzt glänzt sie wieder im schönsten Goldton. Stolz hält Herbert Welz aus Warbende die Taufschale hoch. Auf der Vorderseite ist unter einem Kreuz ein Bibelzitat zu lesen: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“ Auch hinten ist etwas eingraviert: „Der Kirche zu Quaden-Schönfeld geschenkt i. J. 1889 von Graf W. von Bernstorff-Hanshagen.“ Für den schönen Glanz ist Herbert Welz verantwortlich. Rund 15 Stunden, schätzt er, hat er mit Putzmittel und Poliertuch an der Schale aus Messing gearbeitet. Pastorin Pirina Kittel von der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Rödlin-Wanzka hatte ihn darum gebeten. „Ich habe schon mal die Leuchter in der Kirche geputzt, die dann auch sehr schön glänzten“, erzählt er. Daran habe sich die Pastorin wohl erinnert.
Gefunden hat die Schale Herbert Hanzlik vergangenen Sommer. Er arbeitet auf der Sauenanlage Ilona Heinrich in Quadenschönfeld. Im August 2012 war er am Pflügen, es war schon dunkel, als sein Kollege mit den Scheinwerfer des Treckers auf einen Erdhaufen leuchtete und sagte: „Da hast Du schon wieder so ein Eisenteil liegen!“ Das war nichts Neues. Denn auf dem Acker neben der Sau-enanlage war Ende der 90-er Jahre der größte Teil des Aushubes aus dem Dorfteich abgeladen und eingearbeitet worden. „Auf dem Acker ist schon so einiges aufgetaucht: ein altes Bügeleisen, ein Messer, sogar ein Stahlhelm aus dem Zweiten Weltkrieg“, erzählt Herbert Hanzlik.
Im Dunkeln dachte er zunächst, eine Abwaschschüssel in den Händen zu halten und warf das Ding auf den Container. Aber zum Glück sah er sich die Sache am nächsten Morgen noch mal genauer an und entdeckte dabei das Kreuz auf der Schale. „Sie war grün angelaufen und hatte ein Loch, wo der Zinken des Grubbers sie getroffen hatte“, erzählt er. Der grüne Farbton entstand vermutlich wegen des Kupferanteils im Messing.

Zu Weihnachten kehrte die Schale in die Kirche zurück
Herbert Hanzlik lötete das Loch und machte die Schale sauber. Zu Weihnachten überreichte er sie dann nach dem Gottesdienst in Rödlinder Pastorin. Pirina Kittel freut sich darauf, die Schale bald wieder bei Taufen benutzen zu können. „Vielleicht kommt sie nach Watzkendorf, dort brauchen wir noch eine“, sagt die Pastorin.
Wie aber kam die Schale in den Dorfteich? Das wird sich wohl nie mehr aufklären lassen. Verschwunden ist sie jedenfalls kurz vor der Wendezeit – gestohlen aus der Kirche in Quadenschönfeld. „Damals sind auch eine große, ledergebundene Altarbibel und ein Zinnleuchter verschwunden“, erzählt Pirina Kittel. Wer weiß – vielleicht taucht ja der Leuchter auch noch auf einem Acker auf. Im Sommer wird wieder gepflügt.

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