Blitzender Chrom:

Simson-Schrauber mögen's extravagant

Zwei Mirower haben sich der DDR-Mopedmarke verschrieben - erst nach der Wende, aber umso leidenschaftlicher.

Hier blitzt und funkelt der Chrom selbst wenn keine Sonne scheint. Die Mirower Klaus Ziemen (links) und Jörg Michel schrauben leidenschaftlich gerne an alten Simson-Mopeds herum und veredeln ihre Maschinen sogar.
Tobias Lemke Hier blitzt und funkelt der Chrom selbst wenn keine Sonne scheint. Die Mirower Klaus Ziemen (links) und Jörg Michel schrauben leidenschaftlich gerne an alten Simson-Mopeds herum und veredeln ihre Maschinen sogar.

Selbst Harley-Fahrer würden für einen Gruß auf der Straße kurz die Hand vom Lenker nehmen. Dabei haben Klaus Ziemen und Jörg Michel mit der amerikanischen Motorradmarke nicht viel am Hut. Den beiden Mirowern hat es ein anderer Zweiradtyp angetan, der hierzulande mindestens genauso viel Kultstatus genießt. Beide Männer basteln leidenschaftlich gerne an ihren Simson-Mopeds herum. Die Maschinen dürfen am Ende auch alle möglichen Zusatzbauten aufweisen, so dass ein jeder seine ganz individuell gestaltete S 51 hat. 

"Obwohl: Der Mopedtyp ist gar nicht so genau zu bestimmen", sagt Jörg Michel. Seine schwarze Simson hat er erst im vorigen Sommer komplett fertig aufgebaut und für den Straßenverkehr zugelassen. Der Rahmen und weitere Teile stammten vom Typ S 51, der Tank komme hingegen von einer S 50 und die Sitze seien sogar eine Neuproduktion. Die beiden Hobby-Schrauber haben dafür eigens einen Polsterer "an der Hand". Was die Metallbearbeitung und die Elektrik angeht, wird von den beiden aber alles selbst gemacht.

"Heutzutage gibt es so ziemlich alles", schwärmt Klaus Ziemen von ungeahnten Möglichkeiten. Verchromte Speichenfelgen, Tankdeckelverzierung oder stilvolle Rückspiegel schmücken die ostdeutschen Kleinkrafträder der Mirower. "Zu DDR-Zeiten gab es nur schwarze Gummi-Griffe und das war's dann auch", sagt Klaus Ziemen. Derzeit ist der 50-Jährige mal wieder dabei, seine rote Simson umzugestalten. Das Moped, das Ziemen seit 2000 fährt, soll einen anderen Tank bekommen. Das Teil stammt eigentlich von einer Honda. Natürlich gebe es auch die Hobby-Bastler, bei denen die Mopeds möglichst originalgetreu aufgebaut werden müssen. Klaus Ziemen und Jörg Michel jedoch mögen das Extravagante - "nichts von der Stange oder Handelsübliches", wie sie sagen.

Dabei haben beide Männer ihre Liebe zu Simson-Mopeds erst nach der Wende entdeckt. Wer damals wen angesteckt hat, können sie heute gar nicht mehr so genau sagen. Leidenschaftliche Simson-Fahrer waren beide zu DDR-Zeiten jedenfalls nicht gewesen. "Wir hatten ja noch nicht mal einen Führerschein", erzählen sie. Jörg Michel kam als Bahnangestellter überall mit dem Zug hin und Klaus Ziemen reichte das Monatsticket für den Bus für 9 Ostmark. In den 1990er Jahren gab es dann eine Fahrrad- und Moped-Werkstatt für Jugendliche, in der sie ausgeholfen haben. Dabei sind die beiden Freunde "auf den Geschmack gekommen".   

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