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Sind die Kleingärten ein Auslaufmodell?

Kleingärten sind eine Welt für sich. Doch diese schrumpft. Ein Neustrelitzer Hobby-Gärtner fühlt sich alleingelassen in seinem Idyll, in dem längst nicht mehr alles so harmonisch ist, wie es seiner Meinung nach sein sollte.

Der Neustrelitzer Herbert Chuchra fühlt sich in der Gartenanlage Wathstruck nicht mehr wohl. Er denk inzwischen sogar daran, sein kleines Paradies aufzugeben.
Anett Seidel Der Neustrelitzer Herbert Chuchra fühlt sich in der Gartenanlage Wathstruck nicht mehr wohl. Er denk inzwischen sogar daran, sein kleines Paradies aufzugeben.

Der Garten an der Penzliner Straße, das war Herbert Chuchras Welt. Die Rosen blühen, kein Unkraut wächst - ein Kleingartenidyll, wie es im Bilderbuch steht. Doch so harmonisch, wie es in der Anlage Wathstruck scheint, ist es längst nicht mehr. Im Gegenteil, der Neustrelitzer überlegt sogar, seinen Garten für immer zu verlassen. "In der Nachbarschaft wird gebaut, gelärmt und gehämmert zu jeder Zeit", schimpft der Kleingärtner.

Doch das ist nicht der einzige Grund, der ihn beim Blick auf seine schönen Rosen traurig stimmt. "Viele Gärten wurden hier schon aufgegeben", erzählt der Rentner. die Lücken sind längst augenscheinlich. Oft liegen Gärten brach oder sind zurückgebaut - das sei kein schöner Anblick. Wenn früher gemeinsam in der Anlage gefeiert wurde, gibt es das heute eher selten oder es gibt sogar Streit. "Aber wo sollen wir hin, wenn wir mal raus wollen", fragt der Rentner hilflos. Zu DDR-Zeiten hat er seinen Garten von der Stadt gepachtet. Bis heute zahlt er regelmäßig Pacht an die Stadt. Nun kann ihm niemand helfen. Beim Ordnungsamt war er schon. Er hat sich gegen laute Musik und den ständigen Lärm wehren wollen. Viel gebracht habe es nicht.

Kein Verein, der sich um alles kümmert

"Die Gärten, die freiwerden, werden entweder gar nicht mehr vergeben oder an junge Leute." Dann stoßen oft die Interessen der alteingesessenen Kleingärtner und die der "Neuen" aneinander. Die einen wollen feiern, die anderen ihre Ruhe. Da die Anlage "Wathstruck" nicht in einem Verein organisiert ist, fühlt sich Herbert Chuchras hilflos.

Ansprechpartner für die Nutzer und Besitzer dieser Gärten ist das Referat Liegenschaften, so das Rathaus.  Der Grund und Boden für die Gärten werde durch die Stadt verpachtet.  "Pachtverträge werden unbefristet abgeschlossen", heißt es weiter. In der Anlage gelten keine gesonderten Ruhezeiten. Stattdessen haben sich die Kleingärtner an das Bundesimmissionsschutzgesetz zu halten - das heißt: Ruhezeiten gelten sonn- und feiertags ganztägig und werktags von 20 bis 7 Uhr.

Das Problem von Herbert Chuchras ist der Stadt bekannt. "Wenn Probleme im Zusammenhang mit den verpachteten Gärten zu klären sind, versucht das Referat Liegenschaften diese im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zu lösen", wird betont. Auch in der Angelegenheit Herbert Chuchras war ein zuständiger Mitarbeiter schon vor Ort, um Probleme zu klären.

Ein Vertrag mit Ein-Jahres-Frist

Lärm und Pächter, die sich nicht an die Regeln halten, will auch niemand in den Kleingartenvereinen der Stadt haben. Der Kleingartenverein Bürgerhorst/Tiergarten hat ebenfalls mehrerer freie Gärten. 80 Prozent der Anlagen werden zudem von älteren Bürgern genutzt. "Wir nehmen auch Familien mit Kinder auf", stellt der Vorsitzende Michael Frank klar. Gibt es einen neuen Pachtvertrag, ist dieser zunächst für ein Jahr befristet. Bewähren sich die neuen Kleingärtner, dann gibt es eine Verlängerung, ansonsten muss die Zelle geräumt werden. "Regeln müssen eingehalten werden. Ruhe störender Lärm ist nicht gestattet."Party-Gärten will keiner am Bürgerhorst. "Und mit dieser Reglung fahren wir bisher gut."

Für den Neustrelitzer Herbert Chuchras wird das kein Trost sein. Die Anlage Wathstruck ist nicht in einem Verein organisiert. Der Rentner muss um das Idyll in seiner Parzelle allein kämpfen.