Hier wiehert der Amtsschimmel:

Stadt, Land, Hirsch - wer bekommt das Tor?

Die Stadt soll das Hirschtor auf dem Schlossberg übernehmen. Das gehört noch Schwerin und ist erst vor zwei Jahren durch das Land Mecklenburg-Vorpommern saniert worden. Während oben alles schick ist, residiert am Boden allerdings der Gammel.

Die Hirschskulpturen aus Bronze wurden in einem Spezialbetrieb in Thüringen restauriert.
Rebekka Thiedig Die Hirschskulpturen aus Bronze wurden in einem Spezialbetrieb in Thüringen restauriert.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann diskutieren sie noch heute. Nämlich darüber, wem das Ganze gehört: Zwischen  der Stadt Neustrelitz und dem Land Mecklenburg-Vorpommern gibt es wieder einmal Klärungsbedarf. Das Land möchte der Stadt das unter Denkmalschutz stehende Hirschtor übertragen. Ein entsprechender Brief flatterte im März in die Amtsstuben im Neustrelitzer Rathaus, wie  Bürgermeister Andreas Grund auf der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung andeutete.

Das Thema scheint nicht ohne zu sein, denn von keiner der beteiligten Seiten gibt es ausführliche Auskünfte. „Wir sind im Gespräch“, sagt Stadtsprecherin Petra Ludewig lediglich. Wie lange das dauert, warum überhaupt – das steht aktuell nicht fest. Auch Christian Hoffmann, der Pressesprecher des Betriebs für Bau und Liegenschaften (BBL) beim Land, hält sich sehr bedeckt: Wo denn die Grundstücksgrenze entlangläuft und warum die Übertragung von Eigentum überhaupt und zu dieser Zeit? Keine Ansage. Die gibt es erst dann, wenn das Ergebnis der Prüfungen vorliegt, sagt der Pressesprecher.

Das Hirschtor auf dem Neustrelitzer Schlossberg war nach aufwendiger Sanierung vor zwei Jahren erst wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Das Land hatte rund 117 000 Euro in die Sanierung gesteckt.

Nachts werden die Skulpturen angestrahlt

Das Portal mit seinen großen Pfeilern und den darauf thronenden prächtigen Bronze-Hirschen und den beeindruckenden Torflügeln mit vergoldeter Spitze sind seitdem ein Blickfang auf dem Schlossberg. Zu nächtlicher Stunde werden die Hirschskulpturen auch angestrahlt.

Bereits bei der Übergabe des sanierten Hirschtors war ein Zuständigkeits-Problem zwischen Stadt und Land offenkundig geworden. Die Säulen, die Hirschskulpturen und die Torflügel wurden zwar saniert, der ebenerdige Eingangsbereich mit den maroden Regeneinläufen aber war unberücksichtigt geblieben. Hier war das Land bereits vor zwei Jahren der Meinung, die Kosten für diese Sanierungsarbeiten müsste die Stadt übernehmen. Bis heute ist hier allerdings nichts passiert. Auch für das Jahr 2015 gibt es keine Planungen im städtischen Haushalt. Der Gammel residiert dort also weiter.

Das Hirschtor wurde 1826 von dem Großherzoglichen Baumeister Friedrich Wilhelm Buttel (1796 – 1869) errichtet. Die beiden Hirschskulpturen stammen von Christian Daniel Rauch (1777 – 1857). Um die bronzenen Kunstwerke anfertigen zu können, war in den Serrahner Wäldern ein Hirsch erlegt worden. Dieser erfüllte aber als Muster die Erwartungen nicht. Er war zu klein. Der Bildhauer Christian Daniel Rauch entwickelte schließlich ein Gips-Modell, das dann als Vorlage für die edlen Geweihträger diente. Die vergoldeten Spitzen an den Torflügeln sollen übrigens den Lanzen aus den napoleonischen Befreiungskriegen nachempfunden sein.

Berlin will auch so ein wunderbares Bauwerk

Das Hirschtor auf dem Neustrelitzer Schlossberg hat einst den preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1797 – 1840) derart beeindruckt, dass er sich einen Ableger davon nach Berlin wünschte. Ein zweites Hirschtor ziert seitdem den Eingang zum Schloss Glienecke, ergaben Nordkurier-Recherchen im Neustrelitzer Rathaus. In der Vergangenheit hatte die Stadt bereits die Schlosskirche aus Landesbesitz übernommen. Eine „Gewaltenteilung“ gibt es hinsichtlich des Schlossgartens. Der ist im Besitz des Landes, die Verkehrssicherungspflicht und die Pflege obliegen aber der Stadt Neustrelitz.

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