Wie wir die Wende erlebten:

Strelitzer erinnern an den Herbst 1989

Es gab Wochen, in denen war die Reisefreiheit für Ostdeutsche größer als für Westdeutsche. Dieser Zeit und den Ereignissen, die dazu führten, sind jetzt Erinnerungswochen in Neustrelitz gewidmet.

Bilder aus den Anfängen der Städtepartnerschaft hat Eva Maria Kraiss (links) aus Schwäbisch Hall zum Erzählcafé mitgebracht. Eine Zeit, die Georg Huschke (Mitte) als Neustrelitzer Bürgermeister nach der Wende mitgestaltet hat.
Tobias Lemke Bilder aus den Anfängen der Städtepartnerschaft hat Eva Maria Kraiss (links) aus Schwäbisch Hall zum Erzählcafé mitgebracht. Eine Zeit, die Georg Huschke (Mitte) als Neustrelitzer Bürgermeister nach der Wende mitgestaltet hat.

Vielleicht erlebt Neustrelitz dieser Tage deutschlandweit etwas Einzigartiges. Denn wie ein Gast aus der Neustrelitzer Partnerstadt Schwäbisch Hall am Wochenende beim Auftakt zu den Erinnerungs­wochen „25 Jahre friedliche Revolution“ meinte: „Mir ist nicht bekannt, dass sonst noch irgendwo eine Stadt in dieser Form der Wende gedenkt.“ In einer ganzen Reihe von Veranstaltungen wird in der Residenzstadt an die geschichtsträchtigen Ereignisse von vor 25 Jahren erinnert.

Am Landestheater berichteten Akteure von heute und damals von ihren Erlebnissen. Zum Beispiel von einer Betriebsversammlung, die wie plötzlich ihr Ende fand, weil die Nachricht vom Mauerfall hereinplatzte. Oder vom Freundschaftsdienst für die aus­reisende Nachbarsfamilie, die statt nach Ostberlin gleich in den Westteil der Stadt gefahren wurde.  

Bei einem Erzählcafé wurde auch an einen anderen Teil der Neustrelitzer Wendegeschichte erinnert. Bereits 1988 hatte die Residenzstadt partnerschaftliche Beziehungen mit der südwestdeutschen Stadt Schwäbisch Hall aufgenommen. Auch für die Menschen dort sei der Fall der Mauer völlig überraschend gekommen, berichteten die Gäste. „Ich wollte gleich im November in die DDR reisen. Das Kuriose war aber, dass wir Wessis nicht sofort hereinkamen, weil wir ein Visum brauchten“, erzählt Eva Maria Kraiss.

Zu den wichtigen Erinnerungsorten gehört auch die ehemalige Stasi-Haftanstalt in der Töpferstraße. Dort wurden drei Gedenkstelen enthüllt. Zugegen war dabei auch Pastor Eckhart Hübener, der hier 1981 als Gefangener die Repressalien der Stasi am eigenen Leib erfuhr.

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