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Strelitzer geben alles für die Wissenschaft

Blut, Speichel und Urin lassen die Probanden sich abnehmen, Zähne zählen und Taillenumfang messen. Für ein bundesweites Forschungsprojekt mit einem Zentrum in Neustrelitz ließ sich jetzt die 1000. Teilnehmerin anzapfen.

Pia Hoffmann, technische Assistentin, am Herzstück des Neustrelitzer Studienzentrums. Hier werden die sogenannten Biomaterialien, wie Speichel, Urin und Blut für die Wissenschaft aufbereitet.
Anett Seidel Pia Hoffmann, technische Assistentin, am Herzstück des Neustrelitzer Studienzentrums. Hier werden die sogenannten Biomaterialien, wie Speichel, Urin und Blut für die Wissenschaft aufbereitet.

Die Neustrelitzerin Anja Annutsch hat sich drei Stunden Zeit für die Wissenschaft genommen. Dafür bekam sie am Donnerstag auch noch Blumen. Die 43-Jährige ist die 1000. Teilnehmerin der sogenannten Nationalen Kohorte, einer bundesweiten Gesundheitsstudie. Ein Zentrum dieser Studie befindet sich in der Strelitzer Straße. Da wird von den Probanden unter anderem Biomaterial gewonnen – Blut, Speichel, Nasenabstrich, Urin und Stuhl. Die Zähne werden gezählt. Der Blutdruck gemessen. Die Merkfähigkeit getestet. Körpergröße, Gewicht und Taillenumfang notiert. Ernährung, Bewegung und die ganz persönlichen Lebensweisen spielen eine Rolle für diese Untersuchung.

Per Zufallsprinzip werden die Leute angeschrieben, beschreibt es Professor Henry Völzke, als Studienleiter an der Universitätsmedizin Greifswald. 18 Standorte gebe es bundesweit und insgesamt sollen in den nächsten zehn Jahren 200 000 Menschen zwischen 20 und 69 Jahren untersucht werden. Ziel ist es, Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung der typischen Volkskrankheiten, wie Krebs, Demenz, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern. Deshalb gehe es bei den Untersuchungen nicht allein ums Medizinische, sondern auch um die Lebensgewohnheiten der Teilnehmer.

In vier Jahren gibt's ein Wiedersehen 

Allein in der Mecklenburgischen Seenplatte sollen insgesamt 20 000 Bürger untersucht werden. „Der Teilnehmer bekommt bei uns keine Diagnose“, betont Völzke. Die Probanden bekommen aber Befunde mit auf den Weg, wenn nötig mit dem Hinweis, den Hausarzt aufzusuchen. „Die Daten dienen einzig und allein der Wissenschaft“, erläutert der Professor. Die Teilnahme ist nur auf Einladung möglich und alles ist freiwillig. Die Resonanz bei den über 50-Jährigen sei gut, bei den 20- bis 40-Jährigen wünschen sich die Verantwortlichen noch mehr Interesse. „Jeder Vierte, der angeschrieben wird, wird am Ende auch untersucht“, fasst es Henry Völzke zusammen.

In Neustrelitz hat das Kohorte-Team vor einem Jahr angefangen. Anfang 2016 zieht das Team weiter. „Wir haben dafür in Waren angefragt.“ In Greifswald und Neubrandenburg seien feste Standorte für die Studie. Ins Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum nach Neubrandenburg begeben sich die 20 Prozent der Studienteilnehmer, die für das erweiterte Untersuchungsprogramm per Zufall ausgewählt wurden. Allein für diese Untersuchungen sind sechs Stunden Zeit einzurechnen und mit Magnetresonanztomographie (MRT) und Elektrokardiogramm (EKG) stehen intensive Untersuchungen an. Die Finanzierung der Studie ist für die nächsten zehn Jahre gesichert. Nach Neustrelitz kommt das Kohorte-Team nach Abschluss der ersten Untersuchungen vier Jahre später erneut. Dann werden die Probanden wieder um ihre Biomaterialien gebeten.