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Terror-Ente klaut Falken-Eier

Als ein Greifvogel wie gewohnt seinen Nistkasten im Mirower Kirchturm beziehen will, sieht er sich plötzlich mit einer ungewöhnlichen Konkurrentin konfrontiert: einer Stockente. Ein ungleicher Kampf beginnt.

Breit und schwer saß die Ente im Falkenkasten, wollte ihre eigenen Eier und auch die des Falken ausbrüten.
Hartwig Grählert Breit und schwer saß die Ente im Falkenkasten, wollte ihre eigenen Eier und auch die des Falken ausbrüten.

Ein Vogeldrama trug sich jetzt in dem Falkenkasten zu, der hoch oben ins Mauerwerk des Mirower Kirchturms eingelassen ist. Für den Turmfalken begann die Brutsaison zunächst ganz normal. Wie jedes Jahr kehrte er aus seinem Überwinterungsgebiet nach Mirow zurück, fand wie gewohnt seinen Kasten vor, zog ein und legte drei Eier. Alles lief gut, doch plötzlich machte eine ungewöhnliche Konkurrentin dem Greifvogel seine Behausung streitig: eine Stockente.

Hartnäckig erhob der Wasservogel Anspruch auf den Falkenhorst. Arnulf Herzog, Mitglied der Mirower Kirchturmvereinigung, hat das Intermezzo über eine im Nistkasten installierte Videokamera beobachtet. „Auf einmal kam die Ente an, setzte sich ins Falkennest, legte ganz schnell Eier und fing sofort an, zu brüten.“ Da waren alle Beteiligten ratlos – bis auf die Ente.

Greifvogel ohne Chance

Die saß in 20 Metern Höhe auf dem Nest und war fest entschlossen, alle Eier auszubrüten – ihre eigenen und auch die fremden. Zaghaft versuchte der Falke, die Ente zu vertreiben. Doch der Greifvogel hatte überhaupt keine Chance. „Eine Stockente ist viel größer als ein Turmfalke. Wenn die auf dem Nest sitzt und der Falke von draußen rein will, kann er gar nichts ausrichten“, schildert Arnulf Herzog. „Es gab eine Szene, da war die Ente draußen, der Falke ist schnell in den Kasten geschlüpft, aber als die Ente zurückkam, hat er sofort das Weite gesucht.“

Was nun? Die Mitglieder der Kirchturmvereinigung überlegten hin und her. Sollten sie der Natur ihren Lauf lassen? Das hätte allerdings ein böses Ende genommen, da war man sich dann ganz schnell einig. „Junge Falken müssen Mäuse fressen. Wie soll denn eine Ente Mäuse fangen“, überlegt Arnulf Herzog. „Außerdem ist der Kasten für die flugunfähigen Entenküken viel zu hoch. Wenn die flügge geworden wären, wären sie in die Tiefe gestürzt.“ Die Vereinsmitglieder beschlossen, jetzt ganz schnell einzugreifen. Die Ente musste weg. Das aber gestaltete sich schwieriger, als erwartet.

Von einer Kamera beobachtet

„Wir haben an den Kasten geklopft und daran gerüttelt, aber die Ente ließ sich nicht vertreiben.“ Mehrere Tage lang versuchten die Vereinsmitglieder dann, den Vogel zu vergrämen. Doch die Ente blieb. Ein sturer Vogel eben. Schließlich schritten die Falkenschützer rigoros zur Tat: Sie nahmen der Ente einfach die Eier weg. Daraufhin verließ die Ente das Nest. Kaum war der renitente Wasservogel verschwunden, da war die Welt des Falken wieder völlig in Ordnung. Er nahm sein Gelege schnell in Besitz und legte sogar noch zwei weitere Eier dazu, und jetzt brütet er fleißig.

Wer den Falken im Nest einmal beobachten möchte, kann dies bequem über die Falkenkamera tun. Die Ereignisse im Nistkasten werden nämlich gefilmt und live auf einen Monitor übertragen, der im Erdgeschoss der Mirower Kirche steht. Geöffnet ist das Gotteshaus täglich von 10 bis 18 Uhr.