Umwelt-Verschmutzung:

Tonnenweise Dünger im Grünower Stinke-See

Die Grünower suchen den Schulterschluss, um ihren See zu retten. Der beginnt regelmäßig zu schäumen und zu stinken. Denn Jahr für Jahr landen in dem idyllischen Gewässer tonnenweise Umweltverschmutzer.

Vom Grünower See gelangt das mit Nitrat belastete Wasser in die Havelgewässer.
Nadolny Vom Grünower See gelangt das mit Nitrat belastete Wasser in die Havelgewässer.

Der Geduldsfaden bei Grünows Bürgermeister Wolfgang  Nadolny ist gerissen. Und nicht nur bei ihm. Vielen Bewohnern aus Grünow, Bergfeld und Carpin geht es ähnlich. Eine Äußerung von Landwirtschaftsminister Till Backhaus(SPD) im Fernsehen hat sie dermaßen verärgert, dass sie nun in die Offensive gehen und ihren Unmut  öffentlich machen. Backhausen hatte im NDR-Nordmagazin erklärt, dass der Grünower See in den nächsten zehn Jahren keine Wasserqualität erreichen wird, die es zulässt, im See zu baden. Diese Äußerung steht im krassen  Widerspruch zu den von der Europäischen Gemeinschaft auferlegten Zielstellungen. In einem offenen Brief  wird der Landwirtschaftsminister an die EG Wasserrahmenrichtlinien erinnert. Danach soll bis 2015 ein guter biologischer und chemische Zustand des Grundwassers, der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer und  der Küstengewässer erreicht  werden. Doch ausgerechnet in Mecklenburg-Vorpommern, das vor allem mit seinen zahlreichen Seen wirbt, wird  dieses Ziel verfehlt. „Der  Grünower See ist aufgrund seiner Spezifik sicherlich einer der ungünstigen Fälle, bei weitem aber kein Einzelfall. Viele Seen in unserem Amtsbereich und auch in Nachbarbereichen drohen biologisch umzukippen“, heißt es in dem Brief. Schuld an der Misere ist der Düngemitteleintrag. Allein innerhalb  eines Jahres dringen in den Grünower See mehr als eine Tonne Phosphor und 53 Tonnen Stickstoff. Diese gelangen über den Mühlenbach in den See. Der Bach grenzt an intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen.

Ministerium soll mehr Kreativität zeigen

In dem offenen Brief wird der Landwirtschaftsminister aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass künftig auf  landwirtschaftlich genutzten Flächen nur so viel Düngemittel aufgebracht wird, wie die Kulturen aufnehmen können. Die  bisher festgelegten Höchstgrenzen stehen dem entgegen. „Wenn in den Grünower  See, unter  Einhaltung  der Höchstgrenzen, jährlich mehr als 50 Tonnen Nitrat eingeleitet werden, dann sind  das  50 Tonnen zu viel“, macht der Brief mahnend deutlich. Seitens der Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums wird von den Unterzeichnern mehr Kreativität eingefordert. Bei der Novellierung der Düngemittelverordnung könne nur eine nachhaltige Landwirtschaft das Ziel sein. Das heiße konkret für das Einzugsgebiet  des Grünower Sees, den Nährstoff- und Schadstoffeintrag ab sofort zu minimieren und  ihn letztlich ganz zu reduzieren. „Die optimale Variante ist für uns, in einem Managementplan für den Grünower See die  Flächen im Einzugsgebiet auf ökologischen Landbau umzustellen.“ An diesbezüglichen Beratungen würden sich die gewählten  Gemeindevertreter gerne beteiligen.

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