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Userin bringt Sängerin zum Schwärmen

Userin. Diese Bronchitiskann Barbara Thalheim so gar nicht gebrauchen: Mit Gurgeln und Inhalieren kämpft sie gegen Hals- schmerz und Reibeisen- stimme, um am ...

Blick ins Weite: Barbara Thalheim freut sich immer wieder auf Userin.  FOTO: martencja photography

Userin. Diese Bronchitis
kann Barbara Thalheim so gar nicht gebrauchen: Mit Gurgeln und Inhalieren kämpft sie gegen Hals- schmerz und Reibeisen- stimme, um am Sonntag- abend auf der Bühne stehen zu können. Schließlich wird sie im Kulturstall Userin erwartet – und das ist für
die weitgereiste Sängerin ein ganz besonderer Ort,
wie sie im Gespräch mit Susanne Schulz erklärt.

So lange es den Kulturstall gibt – immerhin jetzt zehn Jahre –, treten Sie regelmäßig hier auf und haben auch schon viele Künstlerkollegen hierher geführt. Woher rührt die besondere Anziehungskraft?
So einen Ort gibt es nicht noch mal. Gastgeberin Dagmar Wenndorff ist einer von nur wenigen Menschen, die selbstlos ihre Häuser fürKlasse-Programme zur Verfügung stellen. Städtische Veranstalter könnten hier glatt eine Menge lernen.

Bei welcher Gelegenheithaben Sie sich dennkennengelernt?
Schwer zu sagen nach all der Zeit. Ich glaube, wir sind uns zum ersten Mal begegnet, als ich in Carwitz aus meiner Autobiografie „Mugge“ gelesen hatte. Was Dagmar in ihrem Kulturstall macht, ist ungewöhnlich und von einer unglaublichen Atmosphäre. Ich habe noch keinen Künstler erlebt, der da nicht zehn Zentimeter überm Boden schwebend hinausgegangen wäre, überwältigt von der menschlichen Wärme, der Zuwendung, dem Miteinander. Mir kam schon die Idee, mal ein Buch zu machen über solche Verrückten – davon gibt’s einige, aber Dagmar Wenndorff schießt den Vogel ab.

Sie ist bekannt als eine Frau mit riesengroßemHerzen…
Sie istnurHerz! Und bei ihr ist mir mal so richtig aufgegangen, was der Satz „Eigentum verpflichtet“ eigentlich bedeutet: daran, wie sie das Grundstück ihrer Großeltern der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Viele Menschen, die so etwashaben, würden die Tür zumachen und einen Zaun drumherum bauen. Hier wurde daraus eine Kulturtankstelle für alle, ohne großeöffentliche Förderung.

Hierher kommen Sie diesmal, knapp zwei Jahre nach dem Tod Ihres Weggefährten Jean Pacalet, mit neuer Band und neuem Programm, das schon als „philosophischer Jazz“beschrieben wurde. Wie gefällt Ihnen dieses Etikett?
Ich finde die Formulierung gut. Da hat einer gemerkt, wie sehr sich vieles verändert hat nach Jeans Tod. Zur Band – ich nenne sie meine drei Muskeltiere – gehört zum Beispiel der Lieblingsgitarrist von Günther Fischer, daher geht’s sehr ins Jazzige und groovt sehr schön… Alles, was Jean nicht mochte, findet da statt – ich hoffe, erverzeiht mir das! Mich jedenfalls verjüngt diese Band unheimlich, haben mir schon mehrere Leute gesagt.

Und das fast 20 Jahre nachdem Sie sich schon einmal von der Bühne zurückziehen wollten. Sind Sie heute froh, dass Sie 1999 zurückkamen?
Der Rücktritt war ja nicht, wie manche Leute denken, als mediale Inszenierung geplant. Ich war damals quasi dem Tod von der Schippe gesprungen. In jener schwierigen Lebenssituation entstanden aber 20 neue Lieder, und ich hatte die Wahl, sie in die Schublade zu stecken oder in die Welt zu bringen. Heutesehe ich diese Zeit als Beweis, dass es auch auf anderen Wegen immer weitergeht. Klar ist mir so ein Tourneeleben nicht mehr sehr zuträglich. Aber wenn ich’s ruhig angehen lasse und nicht mehr meine, immer an Start und Ziel die Erste sein zu müssen, dann ist es ganz schön. Ein beschauliches Rentnerleben kann ich mir gar nicht vorstellen.

Ihr Tourkalender sieht recht vollgepackt aus…
Das täuscht ein wenig, ich stehe ja nicht mehr im Leipziger Schauspielhaus oder im Berliner Ensemble auf der Bühne, sondern in kleineren Sälen. Im Herbst plane ich ein Programm mit dem Titel „Alt“ als Metapher dafür, das Alte nicht wegzuwerfen, sondern zu bewahren. Und nächsten Monat erscheint meine neue CD „Zwischenspiel“.

Konzert im Kulturstall Userin am Sonntag um 19.30 Uhr; Kartentelefon 03981 200949