Gerüchteküche brodelt:

Verliert das Bahnwerk jetzt auch noch den Chef?

Erst machte die Kunde von Entlassungen und Lohnkürzungen die Runde. Jetzt gibt es schon wieder Nachrichten aus dem Bahnwerk, die die Gerüchteküche in der Stadt anheizen. Der Leiter des Werkes hat hingeschmissen.

Im Netinera-Bahnwerk in Neustrelitz zieht keine Ruhe ein. Jetzt hat der Leiter das Werk verlassen.
Anett Seidel Im Netinera-Bahnwerk in Neustrelitz zieht keine Ruhe ein. Jetzt hat der Leiter das Werk verlassen.

Das Neustrelitzer Netinera-Bahnwerk kommt aus den Schlagzeilen nicht raus. Jetzt macht in der Kleinstadt das Gerücht die Runde, dass der Leiter des Werkes, Dr. Stefan Liebelt, gekündigt hat. Und sofort werden Stimmen laut, die mutmaßen, dass es vermutlich schlimmer um das Werk steht, als zunächst gedacht. Und der Leiter das sinkende Schiff verlässt.

„Ja, Herr Liebelt hat gekündigt“, bestätigt Thomas Schare, Geschäftsführer der Prignitzer Eisenbahn, einem hundertprozentigen Tochterunternehmen der Netinera Deutschland GmbH. „Wir versuchen, nun so schnell wie möglich einen Nachfolger zu finden.“ Als unglücklich bezeichnet Schare die derzeitige Situation. „Es wäre schön gewesen, wenn wir der Belegschaft sofort einen Nachfolger vorstellen könnten.“ Doch das sei nicht möglich. Die Kündigung, hält Thomas Schare allen Gerüchten entgegen, hat nichts mit der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens zu tun. Die Umstrukturierungen in dem Neustrelitzer Werk laufen weiter. Der Standort sei nicht in Gefahr.

Auch Andreas Schmidt von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) weiß von der Kündigung des Bahnleiters. Er möchte die Gemüter beruhigen und die Gerüchte aus der Welt befördern. „Die Kündigung ist eine freie Entscheidung des ehemaligen Leiters“, betont er. „Das muss ich an dieser Stelle deutlich sagen.“ Das Werk brauche jetzt schnell einen neuen Geschäftsführer, dann komme es auch wieder in Fahrt. Die Strukturen in dem Unternehmen, einem der größten Arbeitgeber der Stadt, müssen marktgerecht gestaltet werden, formuliert Andreas Schmidt. „Bei der jetzigen Entwicklung besteht überhaupt keine Gefahr für den Standort.“

Schwermaschinenindustrie hat es gerade schwer

Ende März wurde bekannt, dass aufgrund der wirtschaftlichen Situation beim Bahnwerk Entlassungen und Lohnkürzungen anstehen. Werksleiter Liebelt begründete dies mit „Anpassungen im Einklang mit der Gewerkschaft.“ Deutschlandweit sei die Auftragslage für die sogenannte Schwermaschineninstandsetzung, wie sie in Neustrelitz angeboten wird, schlecht. Selbst die Bahn habe schon zwei ihrer Werke in Frage gestellt. In Neustrelitz werden die Weichen derzeit neu gestellt, bestätigte auch Gewerkschafter Schmidt, um den Betrieb leistungsfähig zu halten.

Die Netinera Deutschland GmbH ist ein privates Verkehrsunternehmen. Zum Konzern gehören Eisenbahn- und Busverkehrsunternehmen, Werkstätten, Hafengesellschaften und eine Spedition. Im Neustrelitzer Bahnwerk sind rund 130 Mitarbeiter beschäftigt.

 

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