Angebot aus Honkong:

Wald am Kinderheim wird Mekka für Künstler

Am Weißen See bei Wesenberg könnten Bildhauer aus aller Welt bald Hammer und Meißel schwingen. Das Besondere: Besucher des geplanten Skulpturenparks bekämen die Ergebnisse direkt zu Gesicht und schauen den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter.

Internationale Gäste hat Investor David Ng (im weißen Anzug) bereits in seiner Künstlerresidenz begrüßt. Jetzt möchte er sich mit dem Projekt auch öffnen und plant einen Skulpturenpark im Wald.
Schweitzer Internationale Gäste hat Investor David Ng (im weißen Anzug) bereits in seiner Künstlerresidenz begrüßt. Jetzt möchte er sich mit dem Projekt auch öffnen und plant einen Skulpturenpark im Wald.

 Es ist die Chance auf einen kulturellen Edelstein. „Es stellt sich jetzt nur die Frage, wie dieser geschliffen wird“, beschreibt Siegfried Pieper die Ausgangs­lage. Der Berliner Stadtplaner stellte zusammen mit dem Architekten Holger Schweitzer, ebenfalls aus Berlin, in dieser Woche in der Wesenberger Stadtvertretung die Pläne für einen Skulpturenpark am Weißen See vor. Auf dem Areal des ehemaligen Kinderheims hat David Ng, ein Investor aus Hongkong und Großbritannien, dort schon einen Großteil der Gebäude saniert. Im vorigen Sommer fanden hier bereits ein internationales Treffen und das gemeinsame Arbeiten von Künstlern statt.

„Der Besitzer hat sich vorgenommen, den Austausch von Kunstschaffenden aus Europa, Australien und Hongkong zu fördern“, erklärt Schweitzer. Es bestehe der Wunsch, noch ein Waldstück am ehemaligen Kinderheim von der Stadt Wesenberg zu kaufen.

David Ng plant dort einen öffentlichen Skulpturenpark. Ein Wegesystem sowie einzelne Inseln, wo die Kunstwerke künftig einen Platz finden würden, sollen entstehen, erklärt Schweitzer. Derzeit werde der Nutzwald nicht bewirtschaftet und sei stark verwildert. Mit dem Vorhaben würde die Fläche gepflegt, gestaltet und belebt. Dabei solle die Landschaft ihren Charakter behalten. Gerade das Gesicht des Waldes sei erwünscht, betont Schweitzer. Eine Umwidmung der Nutzungsart des Geländes oder ein Bebauungsplan seien daher nicht vonnöten.

Als Mäzen will der Investor den Park zudem für Besucher offen halten – „ohne Eintrittsgeld“, sagt Pieper. Am Eingang zum Nationalpark und entlang von Wander- und Radwanderrouten gelegen, würde die Stadt eine neue Sehenswürdigkeit erhalten. Die Residenz und die Wohnbereiche für Künstler im ehemaligen Kinderheim bleiben jedoch weiterhin ein privater Bereich. Es sei aber vorstellbar, dass zum Beispiel Bildhauer-Worshops auch unter freiem Himmel im Skulpturenpark stattfinden.

Falls das Projekt umgesetzt wird, werde das Waldstück aber eingezäunt. Über Nacht müsse der Park gesichert ­werden, da David Ng teils auch namhafte Künstler zu sich einlädt, um sich vom Wald bei Wesenberg in­spirieren zu lassen. „Ihre Skulpturen müssen natürlich vor Diebstahl geschützt werden“, erklärt Pieper.

„Man kann Sie eigentlich nur beglückwünschen, dass jemand hier so etwas plant“, warb Schweitzer vor den Stadtvertretern um Zustimmung. Der Großteil der Wesenberger Abgeordneten äußerte sich so auch positiv zum Vorhaben und begrüßte die Öffnung der Künstler­residenz hin zu Stadt und Bürgern. Als wichtig wird jedoch erachtet, dass der geplante Skulpturenpark auch lange besteht sowie öffentlich zugänglich bleibt und nicht etwa das Gelände plötzlich eine andere Nutzung erfährt. Wesenbergs Bürgermeister Helmut Hamp (BfW) sieht aber gute Chancen, dass die Erwartungshaltung der Stadt erfüllt werde. „Mit der Vorstellung des Projekt wurde Vertrauen geschaffen“, so das Stadtoberhaupt.  

Ein Kaufangebot des Investors liegt nun vor. Wesenbergs Stadtvertreter werden in einer der kommenden Sitzungen darüber befinden. Sobald von dem Gremium grünes Licht kommt, würden sich die Planer des ­Skulpturenparks ans Werk machen. Schon im Sommer nächsten Jahres könnten dann erste Bildhauer im Park zu sehen sein.