Eine glückliche Dreierbeziehung:

Was hätte Honecker bloß dazu gesagt?

DDR-Staatschef Erich Honecker hat den Neustrelitzern einen guten Dienst erwiesen, als er ihnen in den 1980er-Jahren Schwäbisch Hall als Partnerstadt verordnete. Der Staatschef von damals hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass die Neustrelitzer ihre westdeutschen Freunde sogar mit nach Russland nehmen.

Die Neustrelitzer pflegen seit Jahren enge Beziehungen mit den Schwäbisch Hallern. Gemeinsam haben sie die russische Partnerstadt Tschaikowski besucht.
NK-Bildmontage mit Foto: Hackbarth Die Neustrelitzer pflegen seit Jahren enge Beziehungen mit den Schwäbisch Hallern. Gemeinsam haben sie die russische Partnerstadt Tschaikowski besucht.

Diese Partnerschaft liefert eine Menge Stoff für Geschichten: Wenn in vielen Städten die Städtepartnerschaften oftmals nur auf dem Papier bestehen, werden diese in Neustrelitz gelebt. Und das nicht nur zu Pflichtveranstaltungen. Das Ganze ufert sogar so weit aus, dass sich aus den Partnerschaften schon Dreierbeziehungen entwickelt haben. So waren die Neustrelitzer jetzt bei ihren Partnern in Tschaikowski und haben Schüler aus ihrer Partnerstadt Schwäbisch Hall nach Russland mitgenommen.

Stadtpräsident Christoph Poland ist dabei gewesen und weiß zudem, wie Neustrelitz zu all diesen Beziehungen gekommen ist. Das ist nämlich keineswegs Zufall. Die letzten in Neustrelitz stationierten Russen, die Anfang der 1990er-Jahre abgezogen wurden, gingen nach Tschaikowski. „Heute trifft man dort keine Soldaten mehr“, weiß Christoph Poland. „Aber in Tschaikowski leben bis heute Menschen, die in Neustrelitz waren oder sogar hier geboren sind.“

Es hat gleich nach dem Kennenlernen gefunkt

Einmal im Jahr sind die Neustrelitzer in der Regel in Russland. Stadtvertreter, Schulen und Vereine pflegen die Freundschaften. Die Beziehungen in den Westen hingegen stammen bereits aus DDR-Zeiten. „Der Bürgermeister aus Schwäbisch Hall wollte eine ostdeutsche Partnerstadt“, berichtet Christoph Poland. Das Stadtoberhaupt aus dem Westen hatte dabei allerdings eher einen Blick auf das ostdeutsche Meißen geworfen. Doch daraus wurde nichts. Erich Honecker vermittelte stattdessen den Schwäbisch Hallern das nördliche Neustrelitz, wohl in der Hoffnung, dass diese Fernbeziehung nicht funktioniert und einschläft. Dass damalige Staatsoberhaupt der DDR hatte die Rechnung aner ohne die Neustrelitzer und die Schwäbisch Haller gemacht. Zwischen beiden hatte es quasi gefunkt. Die pflegten und pflegen ihre Fernbeziehung bis heute. Schwäbisch Hall leistete den Neustrelitzern nach der Wende sogar in mehreren Bereichen Schützenhilfe. „Wir wären wohl auf so manche Dinge reingefallen, wenn wir die Schwäbisch Haller nicht gehabt hätten“, betont Christoph Poland.

Nur mit den Lappländern, da klappt es nicht

Inzwischen ist aus dieser Partnerschaft eine Dreierbeziehung geworden. Denn die Neustrelitzer haben auch Kontakte zwischen Russland und den Partnern in Westdeutschland vermittelt. Die Schwäbisch Haller Jugendlichen durften in diesem Jahr beispielsweise bei den Feierlichkeiten zum Befreiungstag dabei sein und überbrachten ein musikalisches Ständchen.

Nur mit den Beziehungen nach Rovaniemi im finnischen Lappland, wo es einen weiteren unterzeichneten Partnervertrag mit Neustrelitz seit mehr als 50 Jahren gibt, läuft es eher schleppend, meint der Stadtpräsident. Die Entfernung mache eine gut funktionierende Partnerschaft in diesem Fall schwieriger.

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