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Was tun gegen Leerstand und Kundenfrust?

Den Sorgen der Neustrelitzer Innenstadthändler haben Gäste aus Gera neue Nahrung gegeben. Nach der Bestandsaufnahme wollen Rathaus und Unternehmerverband zur Tat schreiten.Wird daraus tatsächlich ein Aufbruch?

Menschenleer wie im Western vor dem großen Duell der Revolverhelden: Diese Vision einer verödeten Innenstadt haben Geraer Filmemacher ins Internet gebracht - und kamen eigens nach Neustrelitz, um die hiesigen Geschäftsleute zu warnen.
Youtube.de Menschenleer wie im Western vor dem großen Duell der Revolverhelden: Diese Vision einer verödeten Innenstadt haben Geraer Filmemacher ins Internet gebracht - und kamen eigens nach Neustrelitz, um die hiesigen Geschäftsleute zu warnen.

Ernüchternde Aussagen zur Einkaufsatmosphäre in der Strelitzer Straße sind das Ergebnis einer Blitz­umfrage der Nordkurier-Redaktion. Zu viel Leerstand, zu teure und zu kleine Geschäfte, mangelndes Flair in der "wie ausgestorben" wirkenden Strelitzer Straße, keine gemütliche Gastronomie - so die Einschätzungen der Passanten. Höchste Zeit also zu reagieren, findet auch der Unternehmerverband, der zu einem Stammtisch ins Landeszentrum für Erneuerbare Energien eingeladen hatte.

Gera zeigt, wie es nicht geht

Zwar gab es nach gut zwei Stunden keine Beschlüsse, aber es herrschte Konsens, dass ein Bewusstseinswandel beim Bürger erreicht werden muss. Unter der bereits existierenden Dachmarke „Neustrelitz erleben“ wollen Händler und Gewerbetreibende mehr auf sich aufmerksam machen, auch im Umland.

Eingangs war der beeindruckende youtube-Film „Geld im Niemandsland“ gezeigt worden, der am Beispiel der thüringischen Stadt Gera den Niedergang einer Kommune dokumentiert. „Tun Sie etwas, lassen Sie sich Ihre Welt nicht kaputt machen“, appellierte der Geraer Fotohändler Ralph Schmidt, der mit Filmemacher Marcel Dally eigens nach Strelitz gereist war. „Die Menschen müssen sich Gedanken um die Zusammenhänge machen. Wo ich gern lebe, sollte auch das Geld bleiben.“ Und wer heute noch glaube, das gehe ihn nichts an, der werde sich morgen wundern.

Stadt wird aufgefordert, mehr für den Einzelhandel zu tun

Während der frühere Unternehmerpräsident Günter J. Stolz „niemanden in die Ecke stellen“ wollte, prangerte seine Nachfolgerin Daniela Preuß vom gleichnamigen Möbelhaus den weit verbreiteten „Beratungsklau“ an, bei dem sich Kunden vom Fachmann unterrichten lassen und dann anderswo billig kaufen.

Über die Rolle des Interneteinkaufs gingen die Meinungen auseinander. Ist sie für einige Händler die Geißel, so gab es auch Stimmen, die das Internet als Chance für den Einzelhändler sehen. Stadtvertreter Ernst-August von der Wense (CDU) regte sogar eine gemeinsame Internet-Plattform der ­Neustrelitzer Einzelhändler an.

Wie auch bei früheren Unternehmerstammtischen, wurde die Stadt aufgefordert, mehr für die Einzelhändler zu tun. Das Rathaus beließ es vorerst bei Willens­bekundungen. Mit einem „Wir müssen anfangen“ entließ Günter J. Stolz die Diskussionsteilnehmer.

Kommentare (1)

Natürlich ist für die Strelitzer Strasse nicht alles rosig, natürlich bemerkt man den wieder etwas größeren Leerstand. Allerdings gibt es einen durchaus interessanten Mix von kleinen Geschäften zu bemerken, der durchaus auch über die Region hinaus für Gäste atraktiv ist - gerade weil hier eben Nischen vorhanden sind, die anderswo schnell durch die großen Filialisten verdrängt werden. Gerade in dieser Nische steckt ein gewisses Potenzial. Selbst meine Frau, aus einer südamerikanischen Metropole stammend, und auf ein attraktives Angebot bedacht, konnte hier durchaus schon interessante Artikel finden. Natürlich ist es bedauerlich, dass dieses häufig am Samstag für unsere Gäste kaum zur Verfügung stehen kann, da eben die kleinen Geschäfte nur mit einem kleinen Personal betrieben werden können. Aber wäre es nicht vielleicht möglich mit den auch Touristen ansprechenden Sortimente die Geschäftszeiten am Samstag auszuweiten, dafür aber, angelehnt an die Gastronomie am Montag eher ruhen zu lassen? Wäre dies vielleicht trotdem noch für die Bevölkerung attraktiv?