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Wehren könnten bald nicht mehr überall löschen

Die Vorstellung ist grauenhaft: Das Haus steht in Flammen und weit und breit ist keine Feuerwehr in Sicht. Ein Szenario, dass es so noch nicht gegeben hat, das in abgelegenen Orten aber bald wahr werden könnte.

Die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis sind im Umbruch. Zu wenig Personal und ohnehin wenig Geld. Bald könnten sie es nicht mehr zu jeden Einsatz schaffen, warnen sie.
Fotolia 45034278_M Die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis sind im Umbruch. Zu wenig Personal und ohnehin wenig Geld. Bald könnten sie es nicht mehr zu jeden Einsatz schaffen, warnen sie.

Gibt es bald riesige feuerwehrfreie Zonen in der Mecklenburgischen Seenplatte? „Es ist nicht leicht und wird nicht leichter werden“, sagt Kreiswehrführer Norbert Rieger während der Tagung des Kreisfeuerwehrverbandes und macht damit auf die prekäre Situation unter den Freiwilligen Wehren im Landkreis aufmerksam. Er kann die Probleme in den Reihen der Kameraden genau benennen: „Immer weniger Leute. Immer ältere Leute. Und immer weniger Verständnis in der Bevölkerung.“

Die Gegenwart meistern und die Zukunft vorbereiten, ist derzeit die Devise unter den Feuerwehrleuten. Gegen düstere Zukunfts-Szenarien werde momentan angekämpft. Denn auch das ist Feuerwehr: Am Sonnabendmorgen nach Neustrelitz fahren und sich dort im Kinosaal mit der Neustrukturierung und den Problemen der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis befassen. Dafür bekommt keiner der rund 200 Freiwilligen aus dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Geld. 

Die Warnung ist deutlich

Dafür bekommen alle eine Warnung. Der Einwohnerrückgang lässt auch die Reihen der Ehrenamtlichen lichter werden. „Wir können künftig nicht mehr überall sein“, hält Norbert Rieger fest. Klare Worte findet der Feuerwehrmann. Rieger macht kein Geheimnis mehr: Wenn jemand ein abgelegenes Haus bewohnt, dann kann die Feuerwehr im Notfall künftig womöglich nicht mehr schnell zur Stelle sein, weil es in der Nähe längst keine Wehr mehr gibt und Aktive nicht mehr rund um die Uhr zur Stelle sein können.

Als sich der Landkreis gründete waren 201 Freiwillige Feuerwehren registriert. Jetzt sind es 188. Fusionen sind die Hauptursache für den Rückgang. Aber auch die Zahl der Aktiven ist rückläufig – 2013 waren es 4254 Mitglieder, ein Jahr später es noch 4182 Aktive. In den Unternehmen sei es keineswegs selbstverständlich, dass Kameraden vom Dienst für ihre Arbeit bei der Feuerwehr frei gestellt werden. Auch die Verwaltung nimmt Rieger in die Kritik. Erst in Neustrelitz wurden jüngst Stimmen laut, das Rathaus tue sich schwer, Feuerwehrleute einzustellen.

Nicht jede Wehr können immer eine komplette technische Ausstattung bekommen. Nach links und rechts müsse geschaut werden. Jeder Fehlalarm durch Brandmeldeanlagen schlage sich negativ auf die Motivation der Kameraden nieder. Geld gibt es nicht, wenn gelöscht wird, Bäume von Straßen geräumt und beim Unfall geholfen wird. Doch das Leben eines Feuerwehrmannes besteht nicht nur aus Einsätzen: 40 Stunden Ausbildung im Jahr plus Lehrgänge plus Beratung und plus solcher Veranstaltungen wie am Sonnabend in Neustrelitz kommen hinzu. Da muss jetzt ganze Arbeit geleistet werden, um Freiwilligen dies schmackhaft zu machen.