Brodkorb besucht Kreistagsfraktionen:

Wer zieht beim Theater wirklich die Fäden?

Dass der Sonntag nicht nur aus Spaziergang und Tatort besteht, hat der SPD-Fraktionschef im Kreistag, Günter Rhein, erfahren. Plötzlich ging das Telefon – und am anderen Ende der Leitung war der Kulturminister. Der wollte sich nur mal eben für den Folgetag zur Sitzung der SPD-Kreistagsfraktion einladen. Was gab es denn so Wichtiges zu besprechen?

Was läuft da hinter den Kulissen? Kulturminister Brodkorb soll die SPD- und CDU-Kreistagsfraktionen vor dem Kreistag besucht haben.
Sergey Nivens - Fotolia Was läuft da hinter den Kulissen? Kulturminister Brodkorb soll die SPD- und CDU-Kreistagsfraktionen vor dem Kreistag besucht haben.

Außergewöhnliche Entscheidung – außergewöhnliche Maßnahme. Da ist kein Weg zu weit. Also setzte sich Landes-Kulturminister Mathias Brodkorb (SPD) am Montag dieser Woche kurzerhand ins Auto und brauste von Schwerin quer durchs Land nach Neubrandenburg. 30 Minuten vor Beginn der Kreistagssitzung tauchte der Sozialdemokrat in den Fraktionen von SPD und CDU auf. Lediglich die beiden Fraktionschefs, Günter Rhein und Thomas Müller, waren zuvor vom Minister selbst über den Besuch unterrichtet worden. Per Telefon. Am Sonntag.

Wollte Mathias Brodkorb etwa nach dem Rechten schauen, um der Großen Koalition das richtige Verhalten bei der Abstimmung zur künftigen Theaterlandschaft nahe zu legen? „Nein, nein“, wehren Brodkorb, Rhein und Müller ab. Ganz artig erklären sowohl SPD- als auch CDU-Fraktionschef, dass sie sich vom persönlichen Minister-Auftritt nicht unter Druck gesetzt gefühlt hätten. Fakt ist: SPD und CDU folgten bei der anschließenden Abstimmung dem von der Landesregierung favorisierten Modell, die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz mit dem Theater Vorpommern zu fusionieren.

Millionenschweres Geschenk - nur ein Gerücht?

„Unsere Position war schon vorher klar – insofern war Brodkorbs Besuch eigentlich überflüssig“, versucht Rhein die Promi-Stippvisite herunterzuspielen. Motto: Wenn sich der Minister einlade, könne man doch nicht Nein sagen. Ähnlich argumentiert Müller: „Ich bin immer geradeaus, ich lasse mich auch durch einen Minister nicht verbiegen.“

Und was ist mit den im Landkreis kursierenden Gerüchten, der Minister würde sich bei einem genehmen Abstimmungsverhalten im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit einer millionenschweren Sonderbedarfszuweisung im Wahlkampf 2016 bedanken? „Totaler Quatsch“, sagen Rhein und Müller. Und der Minister? „Ich muss noch mal ganz deutlich sagen: Das ist hier kein Ponyhof. Das ist keine politische, sondern eine rechtliche Frage. Wenn es den Beschluss des Kreistages nicht gegeben hätte, wäre eine dringend benötigte Soforthilfe des Landes gänzlich unmöglich gewesen. Dann hätte definitiv die Insolvenz des Theaters gedroht. Das wollte ich den Fraktionen deutlich machen.“

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