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Woldegks Wahrzeichen werden die Flügel gestutzt

Erstmals seit 19 Jahren werden die elf Meter langen Flügel von der Museumsmühle in Woldegk abgenommen. Die Schwingen sind morsch und werden durch neue ersetzt.

Erstmals seit 19 Jahren werden in dieser Woche die Flügel der Woldegker Museumsmühle abgebaut. Für alle Beteiligten ist es ein Abenteuer, die schweren Kolosse sicher zu Boden zu bringen. Es kommen eine Hebebühne, ein Flaschenzug, Entrostungsspray, Improvisationstalent und Geschick zum Einsatz. Die Aktion gelingt.
Susanne Böhm Erstmals seit 19 Jahren werden in dieser Woche die Flügel der Woldegker Museumsmühle abgebaut. Für alle Beteiligten ist es ein Abenteuer, die schweren Kolosse sicher zu Boden zu bringen. Es kommen eine Hebebühne, ein Flaschenzug, Entrostungsspray, Improvisationstalent und Geschick zum Einsatz. Die Aktion gelingt.

Es knirscht, das Mühlendach zittert ein bisschen, dann rutscht der Flügel der Woldegker Museumsmühle aus seiner Verankerung. Erstmals seit 19 Jahren werden in dieser Woche die großen Flügel des Woldegker Wahrzeichens abgebaut. Am Dienstagnachmittag schwebte der erste der vier Kolosse an einem Stahlseil hängend zu Boden. Das elf Meter lange und 500 Kilogramm schwere Holzgerüst landete punktgenau vor dem Eingang. Projekt geglückt.

Dem vorausgegangen war ein Tag harter Arbeit, bei dem Improvisationstalent, Mut, Kraft und Geschicklichkeit gefragt waren. Für Mühlenwart Roland Stapel und die Männer vom Woldegker Bauhof ist es das erste Mal, dass sie die mächtigen Flügel abbauen. Auf Erfahrungswerte können sie nicht zurückgreifen.

Da kann einiges schief gehen. „Ich habe mal ein 50 bis 80 Jahre altes Foto gesehen, auf dem ein Flügel abgebaut wurde und an Seilen hing. Aber die Leute, die das damals gemacht haben, sind alle nicht mehr, die kann man nicht mehr fragen“, sagt Roland Stapel. „So eine Aktion macht man nicht jeden Tag“, betont Bauhof-Mitarbeiter Frank Israel.

In elf Metern Höhe turnte Roland Stapel am Morgen auf dem Mühlendach umher. Er befestigte Gurte und Seile am Flügel, damit dieser nach dem Lösen der Schrauben nicht haltlos zu Boden stürzte. Dann nahmen die Männer die Segeltuchbespannungen ab. Im Anschluss begannen sie, eine Schraube nach der anderen zu lösen. Das war nicht einfach. Seit 20 Jahren nicht bewegt, waren die Eisenbolzen festgerostet. Mit Entrosterspray und Drahtbürste mussten die Schrauben und Muttern bearbeitet werden. Das raubte Zeit. Spannend wurde es, als Roland Metzner die letzte Schaube herauszog. Niemand wusste, ob der Plan aufgeht. Der Flügel hätte aus dem Seil rutschen und unkontrolliert zu Boden krachen können. Aber alles ging gut. Das große Teil wurde sanft auf die Erde gelassen. Es war das erste von vieren.

Am Mittwoch geht es weiter. Wenn das Wetter mitspielt, wollen Roland Stapel und seine Helfer bis zum Abend die drei verbliebenen Flügel abgebaut haben. „Der erste war am schwierigsten. Jetzt wissen wir wie es geht, nun wird es zügiger gehen“, hofft Roland Stapel. Die alten Flügel werden abgenommen, weil sie bald durch neue ersetzt werden sollen. Das Holz ist morsch. Ein Flügel war im Juni bei einer Sturmböe abgebrochen (der Nordkurier berichtete). Seither steht die Mühle mit ihren dreieinhalb Flügeln still, und der Mühlen- und Heimatverein sammelt Spenden für neue Schwingen.

Trotz abmontierter Flügel kann Woldegks Wahrzeichen fast täglich besichtigt werden. Es ist eine Erdholländermühle aus dem Jahre 1883, die seit 1952 außer Betrieb ist. Im Jahre 1993 erfolgte die Rekonstruktion und neue Dachschindel wurden angebracht. Im Inneren ist ein Heimatmuseum mit Ausstellungen zur Ur- und Frühgeschichte untergebracht. Wenn man durch eines der vier Mühlenfenster blickt, dann ist jeweils eine andere Mühle zu sehen. Geöffnet ist im Oktober dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr, sonnabends uns sonntags von 13 bis 16 Uhr.