Stadtentdeckung:

Zeitreise zwischen Markt und Luisetempel

Wenn es  eine Zusammenrottung vor dem Rathaus gibt, muss das keine unangemeldete Demonstration sein. Einer möchte einfach etwas erzählen und dem folgt man denn auch gern, vor allem mit der Aussicht auf ein warmes Getränk.

Stadtführer Peter Hellwig kennt sich aus in Neustrelitz. Er führt seit gut 20 Jahren Touristen und manchmal auch Einheimische durch seine Stadt.
Marlies Steffen Stadtführer Peter Hellwig kennt sich aus in Neustrelitz. Er führt seit gut 20 Jahren Touristen und manchmal auch Einheimische durch seine Stadt.

Es ist zehn Uhr morgens und vor dem tief im Büroschlaf liegenden Neustrelitzer Rathaus bahnt sich eine Zusammenrottung an. Immer mehr Menschen strömen vor die Rathaustreppe. Sie schauen ein bisschen ratlos drein - bis sich ein Mann zu Wort meldet, der bis dahin unscheinbar in der Menge stand. Es ist Peter Hellwig. Der Neustrelitzer hat zurStadtführungeingeladen. Fast 50 Gäste des Royal Inn Park Hotels Fasanerie sind neugierig auf die Stadt, in der sie Silvester feiern. Und sie wollen wenige Stunden vor der großen Party noch einmal ordentlich frische Luft tanken.

Peter Hellwig betreut seit vielen Jahren Touristengruppen im Parkhotel. Dabei ist er nicht nur in der Residenzstadt unterwegs, sondern fährt auch nach Rügen, in den Nationalpark, nach Rostock oder Stralsund. 

Der Stadtführer ist nicht nur erfahren, er hat auch schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Dass er vor 78 Jahren in Neustrelitz geboren wurde, merkt man ihm aber nicht an. Hellwig ist fit und bestens informiert. „Das muss ich auch“, bekennt er, „sonst kann ich den Gästen ja nichts erzählen“. Ständig wälzt er deshalb Bücher und die für ihn wichtige Informationsquelle Zeitung. Über die kam er vor über 20 Jahren auch zum Freizeitjob Stadtführer. In Neustrelitz wurden Frauen und Männer gesucht, die sich kundig machen sollten über ihre Stadt, damit sie Fremden etwas zu erzählen hatten.  Der Eisenbahner im Ruhestand Peter Hellwig war sofort dabei. 

Hellwig erzählt, wie alles anfing mit Neustrelitz. Sein Vortrag ist bildhaft und er hat eine ordentliche Portion Humor darin verpackt.Die Gäste hören aufmerksam zu, etliche haben die Hände tief in den Jackentaschen vergraben. Es ist kalt an diesem Morgen. Der Trupp setzt sich in Bewegung. Nächster Halt Markt. Hier geht es um die acht sternförmig abführenden Straßen und die Marktgestaltung selbst. „Was sollen die Eisenringe im Boden“, fragt ein Gast. „Damit wird an die Brunnen, die dort früher standen, erinnert“, bekräftigt Hellwig. „Das muss dann aber auch auf einer Tafel zu lesen sein“, sagt der Besucher. Weiter geht es in die Stadtkirche mit der imposanten Orgel des Baumeisters Grüneberg aus Stettin. Und mit einer Toilette, die benutzt werden kann!

Kameras klicken im Kircheninneren, die Gäste setzen sich und hören Hellwig zu, der den Bogen vom Bau der Stadtkirche bis zu den Ereignissen der Wendezeit 1989 spannt.  Letzteres ist schon fast 25 Jahre her.

Der kleine Stadtspaziergang geht weiter. Auf dem Buttelplatz schweift der Blick zum Landesbesoldungsamt,  dessen Architektur der Stadtführer mit wenig Sympathie bedenkt. Hellwig erzählt vom Großherzog Georg, von der Schlosskirche, vom Schloss, das Neustrelitz genommen wurde. Und er stellt eine wichtige Frage: „Wer möchte einen Glühwein?“ Alle wollen! Kurzer Anruf im Bootshaus. Dort wird man die Gäste später zum Aufwärmen erwarten. Zuvor gibt es noch einen Blick auf den Luisetempel und Geschichten über die preußische Königin Luise, deren Eltern im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz residierten. Und es gibt für jeden einen Strelitzien-Aufkleber. Denn  auch, was die Strelitzie mit Neustrelitz zu tun hat, erfahren die Gäste.

Am Ende sind fast zwei Stunden rum. Und Peter Hellwig hat längst nicht alles erzählt. Zum Schluss meldet sich  ein Mann, der Stadtführer in Bad Doberan ist. Wie er seinen Gästen einen Neustrelitz-Besuch schmackhaft machen kann. „Erzählen sie vom Schlossgarten, der gerade saniert wird und in dem bald wieder die Brunnen sprudeln. Darauf freuen wir Neustrelitzer uns schon sehr“. Der Mann nickt und sagt adieu. Ein gutes neues Jahr auch den Stadtführern dieser Welt.

 

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