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Ohnmacht vor der Hinrichtung

Bei diesem Mord kam es der Kriminaljustiz vor allem auf das Geständnis der Mörderin an. Auch dem Seelsorger Studemund lag am Bekenntnis der Täterin, so ...

Ähnlich wie dieses Calwer Schafott im Schwarzwald dürfte auch die Hinrichtungsstelle auf dem Galgenberg von Schwerin ausgesehen haben.

Bei diesem Mord kam es der Kriminaljustiz vor allem auf das Geständnis der Mörderin an. Auch dem Seelsorger Studemund lag am Bekenntnis der Täterin, so dass diese mit Hoffnung auf Gnade aus dem Leben scheiden konnte.
Die Delinquentin, die Tagelöhnerfrau Siggelkow, sitzt am 15. April des Jahres 1814 auf einem vierspännigen Holsteiner Wagen rückwärts mit gefalteten Händen den beiden Geistlichen gegenüber. Ihre halb geöffneten Augen sind auf Studemund gerichtet, der in Tränen aufgelöst ihr ununterbrochen Trost  zuspricht. Das Ziel des Vierspänners ist der Galgenberg in Schwerin. Die Fahrt beginnt am Amtsgebäude, in dem das Halsgericht (Gericht zur Aburteilung todeswürdiger Verbrecher) abgehalten wurde. Das pockennarbige Gesicht der Delinquentin ist kreideweiß, wie ihr Gewand und ihre Mütze, an der das schwarze Band des Todes schauerlich weht.
Die Tat des Verbrechens liegt vier Jahre zurück. Am 27. April 1810 versetzt die Siggelkow in der Nacht ihrem Ehemann im Schlaf mit einer Axt mehrere Schläge auf den Kopf. Er stirbt sogleich. Seine Frau hat einen anderen Mann kennengelernt, mit dem sie nach dem Mord eine neue Bindung eingehen möchte. Geschehen ist das Verbrechen inmitten der in derselben Kammer schlafenden kleinen Kinder. Beim Erwachen ist ein Kind zum Fenster herausgesprungen und hat durch lautes Geschrei Leute herbeigeholt, welche die Frau geistesabwesend antreffen.

Das Schauspiel der Tat ist ein kleines Häuschen, das zum Amtsgebiet der Schelfgemeinde und somit zum Bereich des ersten Predigers der Schelfkirche Pastor Studemund gehört. Dieser hat kein leichtes Spiel mit der Verbrecherin, denn diese behauptet, es nicht selber getan zu haben, der Teufel habe sie an den Haaren zur Ausführung der Tat herangezogen. In langer Überzeugungsarbeit gelingt es Studemund die Mörderin zu überzeugen, dass es keinen Teufel gibt. Sie ändert ihre Meinung und bekennt sich zur Tat und damit zur Rückkehr zu Gott.
Jetzt ist der Holsteiner Wagen an der Richtstätte angelangt. Der Geistliche Studemund wird ohnmächtig fortgetragen. Um zum Richtstuhl zu kommen, muss die Delinquentin von beiden Seiten gestützt werden. Hier wird sie niedergelassen und zur Ausführung des Todesurteils mit dem Schwert festgebunden. Nach Vollstreckung des Urteils wird der Leichnam sogleich an dem Ort der Hinrichtung beerdigt.
Die Mecklenburger Zeitung, die erst ab 1848 erschien, erinnerte im Jahre 1862 an diesen Mordfall. Der Artikel erinnerte auch daran, dass der Galgenberg schon im Jahre 1814 (dem Jahr dieser Hinrichtung) seinen Namen nur noch als Erinnerung trug. An diesem Tag waren die verhängnisvollen Säulen, die bei der Ausführung des Urteils mit dem Strick benötigt wurden, schon lange nicht mehr vorhanden. Viel später, es war das Jahr um 1860, wurden auf dem Galgenberg erste Gartenanlagen mit mehreren hundert Obstbäumen angelegt, so die Zeitung.