Trickbetrüger nutzten K.o.-Tropfen:

Acht Monate! Verschlafene Fahndung in Vorpommern

In Berlin dauert es manchmal keine 24 Stunden, bis öffentlich nach gefährlichen Straftätern gefahndet wird. Als aber in Pasewalk eine 85-Jährige mit Hilfe von K.o.-Tropfen, die auch tödlich wirken können, ausgeraubt wurde, vergingen acht Monate, bis Fotos der Verdächtigen für die Fahndung eingesetzt wurden. Warum diese endlose Verzögerung?

Nur dreißig Minuten nach dem Diebstahl der Bankkarte in Pasewalk hob ein Bandenmitglied in Prenzlau die ersten 1000 Euro von dem Konto der Seniorin ab (linkes Bild). Ein weiteres Bandenmitglied hat einen Tag später mit der Bankkarte der Seniorin in Schwedt weitere 1000 Euro von dem Konto abgehoben.
Stiel, Matthias Nur dreißig Minuten nach dem Diebstahl der Bankkarte in Pasewalk hob ein Bandenmitglied in Prenzlau die ersten 1000 Euro von dem Konto der Seniorin ab (linkes Bild). Ein weiteres Bandenmitglied hat einen Tag später mit der Bankkarte der Seniorin in Schwedt weitere 1000 Euro von dem Konto abgehoben.

Die Kameras der Volksbank Uckermark-Randow und der Sparkasse Uckermark hielten alles genau fest: Der eine setzte die Bankkarte am 26. Oktober 2015 in Prenzlau, der andere am 27. Oktober 2015 in Schwedt ein. Es war nicht die eigene Geldkarte, die die Männer verwendeten. Es war die Karte, die eine dritte Person von einer damals 85-Jährigen Pasewalkerin gestohlen hatte, als die sich auf ein Haustürgeschäft einließ und außer Gefecht gesetzt wurde – durch K.o.-Tropfen, die tödliche Wirkung haben können.

Die Bilder wurden nicht sofort für eine öffentlichkeitswirksame Fahndung eingesetzt. Über die Polizeiinspektion Anklam wurden sie den Medien mehr als acht Monate nach der Tat, am 12. Juli, zur Verfügung gestellt. "Die sind doch schon lange fort", kommentierten daraufhin User den Fall.

Polizei, Amtsgericht oder Staatsanwaltschaft?

Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam, nimmt seine Dienststelle in Schutz: Sie habe unverzüglich gehandelt, als die Aufnahmen per Beschluss des Amtsgerichtes Neubrandenburg für eine Öffentlichkeitsfahndung verwendet werden durften. Die Sprecherin des Amtsgericht in Neubrandenburg, Richterin Tanja Krüske, verweist indes auf die die Ermittlungen leitende Staatsanwaltschaft Neubrandenburg.

Sprecher dort ist Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler, der erst einmal auf Grundsätzliches verweist: Sollen Personenfotos für eine Öffentlichkeitsfahndung freigegeben werden, muss das bei Gericht beantragt werden. Das Gericht wiederum prüfe, ob der Einsatz dieses Mittels gerechtfertigt sei. Im Fall der durch K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzten Pasewalker Seniorin habe es "umfangreiche andere Ermittlungen gegeben". "Wenn andere Ermittlungen im Vordergrund stehen, dann greift man nicht auch zum Mittel der Öffentlichkeitsfahndung, sondern führt die anderen Ermittlungen zu Ende." Acht Monate gingen so ins Land.

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