Schützenhaus:

Aha, darum also der Name „Bambusritze“

Dass das verkommene Gebäude in Pasewalks Haußmannstraße  einst der Schützenpark war, das wissen die wenigsten Leser. Sie kennen es aus DDR-Zeiten als „Bambusritze“. Warum, wusste allerdings niemand. Doch einer: Dietrich Höppner.

Auch dieses Foto fand sich im Archiv von Silvio Wepner. So sah der Schützenpark 1937 aus.
Archiv Wepner Auch dieses Foto fand sich im Archiv von Silvio Wepner. So sah der Schützenpark 1937 aus.

Wenn es um die Historie des Hauses nach dem Zweiten Weltkrieg geht, dann ist der Mann, Jahrgang 1941, ein wandelndes Geschichtslexikon. Schließlich gab es in Pasewalk vor und nach dem Krieg – bis das Kürassiercasino den Anbau erhielt – keine Gaststätte mit einem so großen Saal, erzählt der Pasewalker Dietrich Höppner. 1946/47 fanden im Schützenpark unter den gestrengen Augen der Russen wieder die ersten Veranstaltungen statt. Wurden diese für Kinder organisiert, so waren 50 Pfennige als Eintritt zu bezahlen. Später war mittwochs, sonnabends und sonntags Tanz. Und der Saal immer voll. Computer und Fernsehen gab es noch nicht, also ging man tanzen.

Besonders beliebt war damals die Kapelle von Herbert Henke, unter anderem mit Akkordeon, Geige, Kontrabass und Klarinette. „Dabei wurde dann in den 50er-Jahren auch schon mit Lichteffekten gespielt. Dann leuchteten unsere weißen Nylonhemden immer ganz toll“, erinnert sich Dieter Höppner.

Zehn Mark: Sex, Schnaps und Bier inklusive

Wer dort 1958 zum Tanz ging, musste zehn Mark Eintritt zahlen. Viel Geld für die damalige Zeit. Im Preis enthalten waren allerdings eine Flasche „Balkanfeuer“ und ein Bier. Wer Hunger bekam, ging in die benachbarte Gaststätte zum Essen. Aber dann weiß Dieter Höppner zu erzählen, warum aus dem Schützenpark, zu DDR-Zeiten die Gaststätte „Stadt Pasewalk“ im Volksmund die „Bambusritze“ wurde. Dort verkehrten zunehmend auch die in und um Pasewalk stationierten Soldaten. Wenn größere Veranstaltungen anstanden, wurde ein Teil des großen Saales mit Bambusstöcken abgetrennt. Schnell merkten vier Damen, wozu so eine lauschige Ecke gut ist. Sie bahnten dort Kontakte für ihre Liebesdienste an. Bei den Männern hießen die vier Frauen geile Hertha, Schneewittchen, Sturmgefecht und Stahlhelm.

Die Familie Höppner hat zu dem Haus eine ganz besondere Beziehung. „Meine Frau arbeitete in der linken Seite bei der Möbel-HO“, erzählt unser Leser. 1963 beispielsweise wurden dort Schlafzimmer verkauft.

Die „Stadt Pasewalk“ schien aber auch so etwas wie ein Ort des Verliebens gewesen zu sein. „Meine Eltern haben sich dort kennengelernt“, erzählt Ingrid Strenger. Sie waren 53 Jahre lang verheiratet. Die Schwester unser Leserin feierte in der Gaststätte ihre Hochzeit. Getanzt wurde zur Musik der Kapelle Bleidorn.

Da sich unsere Leser zur Historie des einstigen Schützenparkes so zahlreich meldeten, wird der Nordkurier in den nächsten Tagen noch über weitere Geschichten berichten.

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