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Alle können Pasewalks Schätze jetzt sehen

Von unserem RedaktionsmitgliedAngela StegemannJahrelang übten unsere Leser Kritik daran, dassbei den archäologischen Grabungen in Pasewalkviel gefunden ...

Thomas Hoche (links) und Stefan Rahde beim Aufbau der Ausstellung im Stadtmuseum. [KT_CREDIT] FOTO: A. Stegemann

Von unserem Redaktionsmitglied
Angela Stegemann

Jahrelang übten unsere Leser Kritik daran, dass
bei den archäologischen Grabungen in Pasewalk
viel gefunden wird, die Öffentlichkeit die „Schätze“ aber nie zu Gesicht bekommt. Das soll sich jetzt ändern.

Pasewalk.Eigentlich haben die beiden Freizeit, könnten nach Feierabend nach anstrengender Buddelarbeit in den Baugruben bei Kälte ihre Füße hochlegen. Doch ihre freie Zeit verbringen Stefan Rahde und Thomas Hoche gegenwärtig im Ausstellungsraum des Pasewalker Stadtmuseums. Sie arbeiten, was das Zeug hält, denn die Zeit drängt. Bis Freitagabend muss alles fertig sein. Dann wird um 18.30 Uhr die Ausstellung „Stadtkernarchäologie – Altes vom Neuen Markt“ eröffnet. Den beiden Männern, die im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in der Region nach den Zeugen der Vergangenheit graben, fällt dabei auch ein bisschen ein Stein vom Herzen. „Erstmals seit 17 Jahren Stadtkernarchäologie dürfen wir zeigen, was wir gefunden haben“, sagt Thomas Hoche. Und zwar am Beispiel des Neuen Marktes, der sich gegenwärtig noch in den letzten Zügen der Sanierung befindet. Gezeigt werden nur die besten Stücke. Da sie auch einmal demonstrieren wollen, in welchem Zustand solche Funde entdeckt werden, haben die Männer sich etwas Besonderes einfallen lassen: In einer Zimmerecke befindet sich ein großes Behältnis mit Erdboden. Dort können die Besucher die „Schätze“ entdecken. In Erde eingebettet präsentieren sich in den Vitrinen auch andere Ausstellungsstücke. Sehr übersichtlich gestaltete Tafeln, die nach der Exposition im Museum bleiben, vervollständigen das Bild. Man sollte also Zeit mitbringen.
Gerade der Neue Markt erwies sich für die Archäologen als eine wahre Fundgrube. Genau dort, wo jetzt noch ein Bereich zu pflastern ist, entdeckten in Bauleute der Straßen- und Tiefbaugesellschaft Röwer einen verschütteten Keller. In diesem befand sich sehr viel Tonabfall. Dabei brauchten die Bauleute gar nicht tief in das Erdreich zu gehen. Auf den Fund stießen sie bereits unter den DDR-Betonplatten. Die genauen Untersuchungen der Archäologen ergaben dann, dass es sich um die Reste einer ehemaligen Töpferei handelt. Denn auch Brennhilfen wurden entdeckt. Die Utensilien sind Zeugnis des Lebens in der Stadt vor 1720.
„Insgesamt 1405 Scherben fanden wir im Töpferabfall“, meint Stefan Rahde. Etliche Scherben wurden in mühevoller Kleinarbeit zusammengefügt. So können die Freunde der Heimatgeschichte in der Vitrine mittelalterliches Gebrauchsgeschirr betrachten – so wie man es in jedem Film aus jener Zeit sehen kann.
Gezeigt wird auch ein Teil jener Gegenstände, die aus einer ehemaligen Latrine am Markt stammen. Dort entledigte sich jemand seines Hausstandes. Zu sehen ist auch die Plakette, die vermutlich ein reicher Pasewalker an seiner Kleidung trug. Darauf zu sehen ist das Urteil des Paris aus der griechischen Mythologie. Außerdem zeugen zahlreiche Bruchstücke von Renaissancekacheln vom einstigen Reichtum der Pasewalker.
Wer es am Wochenende nicht schafft, sich die Ausstellung anzusehen, hat noch ein bisschen Zeit. Man kann sie bis zum 23. Juni betrachten.

Kontakt zur Autorin
a.stegemann@nordkurier.de