Erst Beschimpfung, dann Schläge:

Angriff auf Flüchtlinge - Angeklagte bei Prozess schweigen

Im November 2014 wurden drei Asylbewerber in Anklam angegriffen. Ein Jahr später kommt es zum Prozess. An bestimmte Einzelheiten können sich die Geschädigten vor Gericht nicht mehr erinnern. Und die Angeklagten schweigen.

Blaulicht
Nach dem Angriff auf Flüchtlinge mussten diese ambulante behandelt werden.

Im Prozess um einen Angriff auf drei Asylbewerber vor dem Amtsgericht Pasewalk schweigen die drei Angeklagten. Beim Verhandlungsauftakt am Montag äußerte sich weder eine 20-jährige Frau noch ihre 22 und 27 Jahre alten Bekannten zu den Vorwürfen. Wie Staatsanwältin Heilwig Voß erklärte, werden dem Trio gefährliche Körperverletzung und mehrere andere Vergehen wie Fahren ohne Führerschein und Falschaussagen vorgeworfen. Hintergrund des Prozesses ist eine Attacke auf drei Asylbewerber aus Iran und Afghanistan im November 2014 am Bahnhof in Anklam. Von den drei attackierten Ausländern wurde einer nach eigenen Angaben leicht durch Schläge verletzt.

"Wir kamen von einem Ausflug mit dem Zug aus Rostock und wurden am Bahnhof plötzlich angesprochen", sagte der 22-jährige Mann aus Afghanistan. Mehrere Leute aus der Gruppe in Anklam seien mit Bierflaschen in der Hand auf sie zugekommen. Es war dunkel. "Sie haben gesagt, wir sollen Deutschland verlassen", erinnerte sich der Flüchtling, der inzwischen als Asylbewerber anerkannt sei. Plötzlich habe der Ältere der Angeklagten, der eine Tätowierung auf der Hand habe, ihn geschlagen. An Einzelheiten könne er sich aber nicht mehr erinnern. Einer seiner Begleiter konnte fliehen, der andere habe ebenfalls eine Auseinandersetzung gehabt. Details konnte aber keiner mehr nennen.

Angeklagter fuhr mit dem Auto auf einen der Flüchtlinge zu

Der 27-jährige Angeklagte muss sich auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Er soll später zweimal mit einem Auto auf einen Asylbewerber zugefahren sein, der sich nach seinen Angaben nur durch Sprünge zur Seite retten konnte. Später sei aber eine Frau aus der Gruppe gekommen, die die Angreifer weggezogen habe, sagte der 22-jährige Geschädigte. Er habe damals aber keine Todesangst gehabt, erklärte er auf eine Frage des Gerichtes, und lebe inzwischen in Rostock.

Der 22-jährige Angeklagte wurde in Fußketten vorgeführt. Er sitzt wegen eines anderen Deliktes in Untersuchungshaft. Beide Angeklagte sollen damals angetrunken gewesen sein. Der Prozess wird sich nach Angaben des Richters Ralph Burgdorf voraussichtlich länger hinziehen als zunächst geplant. Grund seien weiteren Verfahren, die mit dem Anklamer Fall verbunden wurden. Am 15. Dezember sollen zunächst Polizeibeamte als Zeugen gehört werden. Mit einem Urteil wird frühestens am 12. Januar 2016 gerechnet.

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