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Auch nach dem Turnier haben sich alle lieb

VonChris GombertWenn beim internationalen Altherren-Turnier in Boock jedes Jahr drei Nationalitäten antreten, ist der Fußball fast schon zweitrangig. Es ...

Die Polnische Mannschaft siegte beim internationalen Altherren-Turnier in Boock. Der Kapitän nahm den Pokal von Matthias Mochow entgegen. Sein Vater Martin Mochow, Inhaber des Autohauses in Löcknitz, spendierte die Pötte.

VonChris Gombert

Wenn beim internationalen Altherren-Turnier in Boock jedes Jahr drei Nationalitäten antreten, ist der Fußball fast schon zweitrangig. Es haben sich Freundschaften entwickelt, und die Verständigung mit Händen und Füßen ist jedes Mal ein Spaß.

Boock.Regnerisch und kalt – wie sonst hätte sich das Boocker Wetter an diesem Wochenende präsentieren können? Die Leute in dem Ort munkeln schon, dass die Engländer ihr Wetter mitbringen, wenn sie alljährlich zu Besuch kommen. In diesem Jahr waren die Gäste angereist, um sich beim
12. internationalen Altherren-Turnier mit deutschen und polnischen Mannschaften zu messen. Doch es geht bei diesen Treffen nicht nur um Sport. Der ist fast Nebensache. „In den zwölf Jahren haben sich Freundschaften gebildet“, erzählt Gunnar Mißling, Vorsitzender des Boocker SV 62. Er freut sich, wenn es bunt auf dem Boocker Sportplatz zugeht. Mit bunt meint der Vereinschef nicht nur das Programm, sondern auch die Farben der Trikots und die Sprachen. Verständigung mit Händen und Füßen ist dann an der Tagesordnung. Und das macht Spaß.
Familiäre Bande hatten den inzwischen leider schon verstorbenen Vater von Bettina Rohlfs, Hubert Polzin, im Jahre 2002 auf die Idee gebracht, dieses Turnier ins Leben zu rufen.Das Einspielen der Nationalhymnen aller drei teilnehmenden Länder ist seither immer etwas Besonderes, und erzeugt stets sowohl bei den Mitspielern als auch bei den Zuschauern eine Gänsehaut. Hin und wieder sieht man in diesen Momenten sogar die ein oder andere Träne kullern.
Steven Polzin, der Cousin von Bettina Rohlfs, und sein Kumpel Paul sind von Anfang an dabei. Er bringt jedes Jahr seine ganze Familie mit aus England nach Boock. Tochter Victoria hilft Steven Polzin immer auf die Sprünge, wenn ihm das ein oder andere deutsche Wort nicht einfallen will. Victoria wiederum hat ihre Freundin Susan mitgebracht, die ihren englischen Kumpels wunderbar als Dolmetscherin zur Seite stehen kann: Sie hat ein Jahr in Deutschland gelebt.
„Wir freuen uns jedes Jahr auf dieses eine Wochenende. Es ist sehr anstrengend, weil die Tage sehr lang und die Nächte viel zu kurz sind. Aber die Herzlichkeit, die Verständigung mit allen Sinnen und das ganze Drumherum machen den ganzen Stress wieder wett“, sagt Wolfhard Rohlfs. Er nennt es positiven Stress. Auch die polnischen Sportfreunde werden in Boock immer jubelnd aufgenommen. Da sie ja grenznah wohnen, sind sie öfter dort zu Gast. Die polnischen Teams loben die perfekte Organisation dieses Turniers, das übrigens die Pomerania über das Programm IV A fördert.
Einziges Manko: am Abend zum Feiern lichteten sich die Reihen. Der Grund: die Live-Übertragung des Champions League-Finales des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund im Fernsehen. Die sahen sich viele dann doch lieber gemütlich zuhause auf dem Sofa an. Doch in Boock nahm das niemand übel, denn am Tag danach, also gestern, trafen sich alle noch mal zum Abschlussspiel der British Railways Veterans gegen die Alte HerrenMannschaft des Boocker SV 62. Das Besondere daran: beide Mannschaften laufen, wie bei einem richtig großen Länderspiel, mit Kindern in Trikots an der Hand auf.

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