Anklage wegen Waffenbesitzes:

Bandido Marcel H. genießt Leben in Amerika

Wegen illegalen Waffenbesitzes sollte sich am Dienstag Marcel H. aus Eggesin vor Gericht verantwortlichen. Der Termin platzte, weil der Mann sich in den Vereinigten Staaten von Amerika befindet.

Die Journalisten gehen leer aus: Verteidiger Fischer teilt der Staatsanwältin mit, dass sein Mandant, ein Eggesiner, nicht anreist. Dieser befinde sich in Amerika und sei dort neuerdings mit einer Polizisten verheiratet. Hieß es.             
R. Marten Die Journalisten gehen leer aus: Verteidiger Fischer teilt der Staatsanwältin mit, dass sein Mandant, ein Eggesiner, nicht anreist. Dieser befinde sich in Amerika und sei dort neuerdings mit einer Polizisten verheiratet. Hieß es.  

Körpervisitation und Polizeikontrolle im Eingangsbereich des Amtsgerichtes Pasewalk - das gibt es nicht alle Tage. Am Dienstag indes mussten sich die Zuschauer der angesetzten Gerichtsverhandlung dieser Prozedur unterziehen. Der Grund: Um 13.30 Uhr sollte ein Prozess beginnen, der nicht nur in der Rocker-Szene mit einer gewissen Spannung erwartet wird. Vor dem Amtsgericht Pasewalk sollte sich ein hochrangiges Mitglied der Rockergruppierung Bandidos verantworten. Der 33-Jährige stammt aus Eggesin, wird jedoch der Neubrandenburger Szene zugeordnet. Dem Mann wird illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Die Waffen waren bei einer Durchsuchung der Wohnung in Eggesin entdeckt worden. Außerdem fanden die Beamten die Patrone eines Maschinengewehrs. Der Besitz von derartiger Munition ist ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Anwalt: Erst eine halbe Stunde vorher erfahren

Der beschuldigte Marcel H. wird von dem Neubrandenburger Rechtsanwalt Peter Schmidt verteidigt. Noch vor Verhandlungsbeginn nimmt dieser Kontakt zur Staatsanwältin auf. Der Grund: Sein Mandant wird zum Prozess nicht anreisen. Derzeit befindet sich Marcel H. in den Vereinigten Staaten von Amerika. In der Runde: Staunen. Nach Verhandlungsbeginn erklärt Schmidt das ebenfalls dem  leicht verdutzten Richter und den Schöffen. Eine halbe Stunde vor Verhandlungsbeginn, auf der Autobahn und per Telefon, habe er das von dem Bruder des Beschuldigten erfahren, sagt Rechtsanwalt Schmidt. Der Bruder habe im Rundfunk von dem Prozess erfahren und ihn informiert.

Schließlich macht eine neue Information eine Runde: Der Beschuldigte sei Stunden vor Verhandlungsbeginn im Gericht gewesen und habe den Verhandlungsbeginn erfragt.... Der Richter unterbricht daraufhin für zehn Minuten die Sitzung. 13.45 Uhr geht es weiter - mit der Aussage, nein, der Beschuldigte sei nicht im Amtsgericht gewesen. Wohl eine Verwechselung.  Laut Einwohnermeldeamt, so der Richter weiter, wohnt der Beschuldigte noch immer in Eggesin. Die Adresse wird genannt. Eine Um- oder Abmeldung sei nicht erfolgt.

Staatsanwältin beantragt Erlass von Haftbefehl

Die Staatsanwältin fackelt nicht lange. Sie stellt daraufhin einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls. Der Verteidiger wiederum will dieses harte Mittel abwenden und schlägt das Mittel der polizeilichen Vorführung vor. Aus Amerika - das geht dann wohl nicht, kommentiert der Richter diesen Antrag. Erneut begründet der Verteidiger, warum er einen Hauptverhandlungshaftbefehl für zu hart hält. Der Beschuldigte befinde sich seit August in Amerika, der Verhandlungstermin wurde dem Mann im September zugestellt. Er konnte so nicht wissen, dass der Prozess beginnt. Der Beschuldigte wäre garantiert erschienen. Der Richter will die Anträge prüfen - außerhalb der Sitzung.

Dem Beschuldigten, ein gelernten Tiefbauer, droht wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz eine Haftstrafe von einem bis zu fünf Jahren. Für den Prozess waren zwei Zeugen geladen.

Hintergrund: Seit einer geraumen Zeit gehen Polizei und Justiz gegen die Rockerszene in Mecklenburg-Vorpommern vor. Die Treffs sind wegen Gewaltdelikten ins Visier der Ermittler geraten. Sie gehen davon aus, dass über die Klubs und Treffs das Drogen-Geschäft abgewickelt wird.

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