Ostband rockt Pasewalk :

City - hey, das war doch unsere Zeit!

Ein unvergessliches Konzert erlebten City-Fans im Pasewalker Kulturforum. Das war Gänsehaut-Feeling pur. Erstaunlich, welche Kondition die Musiker mit über 60 haben. Wie machen die das bloß?

Alle um die 60 und noch solche Kondition: City spielte in Pasewalk ein Mega-Konzert.
Angela Stegemann Alle um die 60 und noch solche Kondition: City spielte in Pasewalk ein Mega-Konzert.

Wer die Augen schloss und Toni Krahls Stimme hörte, der fühlte sich in seine Jugendzeiten zurückversetzt. Kuscheln bei dem Titel „Fenster“ auf der Disko. „Das war doch unsere Zeit!“, sagt Gabriele Hübener. Sie lernte ihren Andreas Anfang der 80er-Jahre kennen. Heute sind sie verheiratet. Wer dann die Augen wieder aufmachte beim City-Konzert in Pasewalks „U“, der merkte schnell, dass die Fans mit ihren Idolen von einst älter geworden sind. Nicht nur die City-Musiker feiern 30 Jahre ohne Haare. Aber schnell wird klar: im Herzen sind die meisten jung geblieben.

Von Anfang an machen die Fans mit. Klatschen, rufen, singen. So manchen hält es nicht auf den Sitzplätzen. Obwohl das Hauptthema der Band an diesem Abend manchmal ein nachdenkliches ist: Altern. „Die Bomben schlagen immer dichter ein“, sagt Toni Krahl. Gleichaltrige Legenden wie Tamara Danz, Rio Reiser und Herbert Dreilich gibt es nicht mehr. Doch die fünf Musiker sind das beste Beispiel dafür, wie man am besten altert: mit einem großen Schuss Humor und Lebensfreude.

Sich zur Ruhe setzen? Für City ist das kein Thema, meint Toni Krahl. „Kompromisse machen wir erst mit 70.“ Wie das dann ist, das wollen sie mal die Puhdys fragen. 

Sie füllen keine Stadien mehr wie in alten Zeiten. Und auch das Pasewalker Konzert war nicht ausverkauft. Den Fans macht das nichts aus. Im Gegenteil. So sind sie ihren Stars noch näher. Denn früher hätte Toni Krahl in der Pause bestimmt nicht mit seinen Fans vorm Stadion gestanden und geraucht – so wie er das jetzt vor dem „U“ in Pasewalk getan hat. Komisch: Nach der Raucherpause klingt die Stimme irgendwie noch besser.

Titel aus alten Zeiten waren wenige zu hören. „Sag mir, wo die Blumen sind“, schallt es durch den Saal. Jenes Lied, das in der City-Version 1983 beim „Rock für den Frieden“ im Palast der Republik Premiere hatte.„Casablanca“, „Wand an Wand“ und zum Schluss„Am Fenster.“

Ansonsten wird schnell deutlich, dass City auch 23 Jahre nach dem Ende der DDR immer noch für eine hohe musikalische Qualität steht. Vielen wurde erst viele Jahre nach der Wende so richtig bewusst, was wir für tolle Bands in der DDR hatten. Das sagt auch Ute Lange. Neben ihr wird im Kulturforum doch noch eine junge Frau gesichtet. Ihre Tochter Franziskaist 27. Sie kam mit ihrem Freund Daniel. Beide outen sich sogar mit T-Shirt als richtige Ostrock-Fans. Die Reihe „Ostrock“ wird es aller-dings nicht mehr geben, sagt Toni Krahl. Nach 100 Auftritten war vor zwei Jahren Schluss. Doch ab nächstes Jahr geht es mit den Puhdys und Karat wieder auf Tour. „Rocklegenden“ heißt das diesmal. Pasewalk ist dann keine Station. Da fahren sie durch.

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Kommentare (1)

Es war wirklich ein super Konzert vor allem auch was die Auswahl der Titel betraf. Schade nur, dass wieder einmal viele Reihen im Historischen U leeergeblieben sind. Eigentlich unverständlich, da gerade von meiner Generation 50 + doch sehr viele in unserer Region leben. Vielleicht schafft es der neue Betreiber zukünftig solche Veranstaltungen noch besser zu vermarkten. Frank Acker Pasewalk