Tafelessen:

Die Armen bleiben unter sich

Der Plan: Arm und Reich sitzen an einem Tisch, um zusammen Kartoffelsuppe und Waffeln zu essen. Die Realität: Nur die Armen kommen. In Pasewalk war es leider so.

Doreen Rütz (von links), Hannelore Horst und Eselita Töpfer gaben die Kartoffelsuppe aus.
Angela Stegemann Doreen Rütz (von links), Hannelore Horst und Eselita Töpfer gaben die Kartoffelsuppe aus.

Martina Let streicht ihrem Enkel Enrique über die Haare und freut sich, dass dem Dreijährigen die Waffeln schmecken. Die 51-Jährige macht keinen Hehl daraus. Sie gehört zu denjenigen, die die Tafel des Arbeitslosenverbandes Uecker-Randow nutzen. Einmal in der Woche fährt die Polzowerin nach Pasewalk. Die Qualität der Lebensmittel, die sie dann für 1,50 Euro in einem großen Beutel bekommt, ist gut, meint sie. Nur Fleisch und Wurst sind eher selten. „Aber das hilft schon jede Woche“, sagt Martina Let. Von Beruf ist sie Eisenbahnerin. Nachdem in Pasewalk viele der einst rund 1500 Stellen abgebaut wurden, gehört auch sie seit 2004 zu  den Arbeitslosen. Ab und zu eine Stelle als Ein-Euro-Jobber, mehr nicht. Für die Betroffenen um Verständnis werben wollte der Arbeitslosenverband Uecker-Randow. Ein liebevoll hergerichteter Raum im Kulturforum Historischen U, frische Waffeln, Kaffee und Kartoffelsuppe.

Doch letztendlich blieben Betroffene und Mitarbeiter des Arbeitslosenverbandes wieder einmal unter sich. Oder findet mitten in der Woche zur Mittagszeit keiner der Arbeitenden Zeit? Rechtsanwalt Michael Busch spendete im Vorfeld. Eine, die immer dabei ist, wenn der Arbeitslosenverband ruft, ist die Alt-Bürgermeisterin,danach Ordnungsamtsleiterin und jetzt Rentnerin Bärbel Steinmüller. „Es gibt so viele, die zuhause sitzen und dann noch meckern, dass nichts los ist. Warum nutzt man solche Aktionen nicht?“, ärgert sie sich. Auch Martin R. gehörte zu denen, die bloß einmal sehen wollten, was da los ist. Letztendlich setzte er sich aber nicht mit an den Tisch. „Meine Frau arbeitet im Call-Center, ich bei einer Reinigungsfirma. Aber trotzdem reicht unser Geld nicht zum Leben“, erzählt er. „Bin ich reich, weil wir arbeiten gehen? Eigentlich nicht“, stellt er fest.Mittlerweile werden über die Tafel im Altkreis Uecker-Randow monatlich rund 2000 Leute versorgt. 

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