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Die Fledermäuse können bleiben: Platte darf nicht abgerissen werden

VonFred LuciusStrasburg gilt offensichtlich als Stadt der Fledermäuse. Ein Wohnblock darf wegen der massenweise auftretenden fliegenden Säugetiere nicht ...

Landschaftsökologe Jens Berg hat im vergangenen Jahr am Block Schulstraße 19 Fugen mit Dämmstreifen verschlossen. In den Spalten haben Fledermäuse ihr Quartier. Der Block darf wegen der Tiere nicht abgerissen werden. Die Fugen sollen jetzt wieder freigemacht werden.  FOTOS: F. Lucius

VonFred Lucius

Strasburg gilt offensichtlich als Stadt der Fledermäuse. Ein Wohnblock darf wegen der massenweise auftretenden fliegenden Säugetiere nicht abgerissen werden. Die Naturschutzbehörde verteidigt den für das Wohnungsunternehmen schmerzlichen Abriss-Stopp.

Strasburg.Der Große Abendsegler hat gesiegt. Zumindest über die Pläne der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Strasburg (GWG). Diese wollte den Wohnblock Schulstraße 19 abreißen lassen. Da hier aber Abendsegler ihre Quartiere haben, wurde ein Abriss-Stopp verhängt. „Es gibt hier eine der bedeutendsten Populationen von Abendseglern in Europa“, sagt Christian Breithaupt von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises in Anklam. Diese Art der fliegenden Säugetiere sei sehr traditionell. Was bedeute, dass es sehr schwer ist, ihnen alternative Quartiere anzubieten, die auch angenommen werden. „Dazu braucht der Abendsegler Jahre, oft Jahrzehnte“, erklärt Breithaupt. Im bereits abgerissen Block in der wenige Meter entfernten Mauerstraße seien andere Fledermausarten beheimatet gewesen, die anpassungsfähiger sind. Die Naturschutzbehörde habe den Abriss-Stopp nicht veranlasst, weil sie den Abendsegler so toll findet, meint Breithaupt und verweist auf das Bundesnaturschutzgesetz. Hier ist festgeschrieben, dass wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten nicht getötet und ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten nicht beschädigt oder zerstört werden dürfen.
„Unter bestimmten Bedingungen gibt es Ausnahmen. Aber nur, wenn die Population nicht negativ beeinflusst wird. Bei einem Abriss muss man von einer negativen Beeinflussung ausgehen. Mit der Abriss-Genehmigung ist fälschlicherweise eine Ausnahme erteilt worden“, sagt der Behörden-Mitarbeiter. Andere Fledermaus-Quartiere hätten nicht diese Bedeutung wie das an der Schulstraße, sodass dort mit begleitenden Maßnahmen ein Ausgleich geschaffen wird. Die Naturschutzbehörde ist Breithaupt zufolge derzeit mit der GWG in Verhandlungen, um für die beseitigten Quartiere an der Mauerstraße Ersatz zu schaffen. Das könne auch am Block an der Schulstraße geschehen. So sollen einst in Fugen eingebrachte Schlauchbänder wieder entfernt werden. „Der Abbruch war jahrelang geplant. Es ist nicht zu verstehen, dass man sich mit der Thematik Fledermaus nicht auseinandergesetzt hat“, betont Breithaupt.
Für ein anderes Fledermaus-Quartier in Strasburg soll es noch 2013 eine Lösung geben – für den Brauerei-
keller an der Thomas-Müntzer-Straße. Dieser sollte schon Mitte 2011 saniert und nachhaltig für die Fledermäuse gesichert werden. „Der Planer für das Projekt hat gewechselt. Außerdem hat das Vorhaben einen deutlich größeren Umfang angenommen“, erklärt Antje Seebens vom Naturschutzbund (NABU) und Landesfachausschuss für Fledermausschutz und Forschung. So muss der Eingang zum Keller komplett neu aufgebaut werden. Ursprünglich wurden Baukosten von 15000Euro angenommen, nun sind es 60 000 Euro. Eine solche erhebliche Änderung müsse vom Fördermittel-Geber, dem Staatlichen Umweltamt, erst genehmigt werden. Inzwischen liegt die Tragwerksplanung vor. „Wir hoffen, dass wir noch vor der Frostperiode in diesem Jahr bauen können“, sagt Antje Seebens. Strasburg stehe auf der Liste von neun Fledermaus-Winterquartieren des NABU mit oben.