Pasewalk bekommt für drei Tage Zuwachs:

Die Invasion der Holzskulpturen

Liebe Pasewalker, bitte wundern Sie sich nicht, wenn es in der Stadt vor menschengroßen Holzfiguren wimmelt - in der Bank, beim Bäcker, auf dem Schulhof oder im Buchladen. Das ist nämlich Kunst, das soll so sein.

Für das interaktive Kunstprojekt „Die Reise der Wartenden“ von Christina  Rode haben sich viele Paten in Pasewalk gefunden.
R. Nitsch Für das interaktive Kunstprojekt „Die Reise der Wartenden“ von Christina  Rode haben sich viele Paten in Pasewalk gefunden.

Ein Kleinbus mit polnischem Kennzeichen hält vor dem Pasewalker Rathaus. Erwartet der Bürgermeister etwa Gäste aus der Partnerstadt? Dann öffnet sich die Tür. Auf Sackkarren geschnallt, werden sieben lebensgroße Holzfiguren ausgeladen. Eine Frau mit fröhlichen blauen Augen steigt mit aus. Sie ist die Ideengeberin: Christina Rode, Holzbildhauerin aus Wietzow.

Mit sieben Holzfiguren ist sie seit dem Sommer zum interaktiven Kunstprojekt „Die Reise der Wartenden“ aufgebrochen. Jetzt sind die Denkfiguren, die solche Namen wie „Für die Ungeduldigen“, „Für die Mütter“ und „Für die Töchter“ und „Für die Ängstlichen“ tragen, in Pasewalk angekommen. „Nach Szczecin wollte ich mit den Figuren eigentlich ins Winterquartier gehen“, sagt die Künstlerin. Doch die Pasewalker Museumsleiterin Anke Holstein habe sie mit ihrem Interesse überzeugt. „Auf dem Weg von Rostock nach Stettin habe ich die ‚Wartenden‘ von Pasewalk in die polnische Metropole begleitet, um die Künstlerin und ihr Projekt kennenzulernen“, erzählt Anke Holstein. Und dann stand fest: Diese Figuren sollten unbedingt auch in Pasewalk zu sehen sein. Paten für die Kunstwerke in der Stadt zu finden, sei nicht schwer gewesen.

So werden sich Pasewalker Gymnasiasten um die Holzskulpturen kümmern. „Wenn die Leute nicht zur Kunst kommen, dann muss die Kunst eben zu den Leuten kommen“, sagt Kunstpädagogin Angelika Hundt. In Museen sei es oft nicht erlaubt, Dinge anzufassen. „Aber bei der Begegnung mit den ‚Wartenden‘ wird alles anders sein. Wir nehmen sie einfach auch mit in den Unterricht“, kündigt die Lehrerin an.

Aber es gibt noch mehr Kunstfreunde, die mitmachen wollen: „Ich wusste zuerst gar nicht, was auf mich zukommt. Doch jetzt freue ich mich über das Kunstprojekt. Die Figur der erschöpften Tänzerin hat mir auf Anhieb gefallen. Vielleicht nehme ich sie ab Montag unter meine Fittiche“, sagt Schuhmachermeister Norbert Makowiak.

„Schön sind sie alle“, kommt Brit Michler, Inhaberin von Cult-Jeans, ins Schwärmen. Die Patenschaft für drei Tage hat sie sehr gerne übernommen. „Ich werde die Figur überall mit hinnehmen, zur Bank oder zum Bäcker“, sagt sie.

Für die Idee, Patin zu werden, konnte sich auch Buchhändlerin Katrin Lange erwärmen. „Solche Kunst muss einfach nach Pasewalk“, ist sie überzeugt. Weitere Paten für eine Figur sind Apotheker Lutz Splettstößer, Uhrmacher Roland Schröder und das Museum Pasewalk.

Über so viel Interesse und Herzlichkeit ist Künstlerin Christine Rode gerührt. „Ich habe mir gedacht, es ist die richtige Zeit mit den ‚Wartenden‘ auf Reisen zu gehen. Wichtig sind dabei die Begegnungen der Menschen, um sich für etwas Neues zu öffnen“, sagt die Künstlerin.

Ab Montag sind die Pasewalker drei Tage lang eingeladen, Kunst auf besondere Weise zu erleben und in der Stadt den ‚Wartenden‘ zu begegnen.

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