Sittich, Ara und Co.:

Die Vorpommern stehen auf Vögel

Wissen Sie, was eine Opalracke ist? Oder ein Pagodenstar? Das sind Vögel, ganz schön schräge sogar. Denn nicht nur ihre Namen sind alles andere als gewöhnlich, sondern auch ihre Farben. Und die Vorpommern lieben offenbar beides: Tiere und Farben.Denn bei der Landeschau des Ziergeflügel- und Exotenzüchter-Vereins  Pasewalk/Strasburg in der Torgelower Stadthalle, ging es zu wie im Taubenschlag.

Für den Züchter Christian Krüger aus Torgelow war die Vogelausstellung am Wochenende in der Stadthalle ein Heimspiel. Er selbst präsentierte gemeinsam mit seinem Vater einen Rosakakadu, Kongo-Graupapageien und dunkelrote Aras. Christian nutzte aber auch die Möglichkeit, sich in der Halle umzuschauen. F
Bilaczewski Für den Züchter Christian Krüger aus Torgelow war die Vogelausstellung am Wochenende in der Stadthalle ein Heimspiel. Er selbst präsentierte gemeinsam mit seinem Vater einen Rosakakadu, Kongo-Graupapageien und dunkelrote Aras. Christian nutzte aber auch die Möglichkeit, sich in der Halle umzuschauen. F

Die Vorpommern sind tierlieb, keine Frage. Erst Hund oder Katze machen oft die Familie komplett. Aber viel weniger Vorpommern haben einen Vogel. Komisch eigentlich. Denn die 23. offene Landeschau am Wochenende in Torgelow hat eindeutig gezeigt: Die Vorpommern stehen auf Vögel! Das freute natürlich vor allem den Gastgeberverein. Die Landesschau ist übrigens die größte Ausstellung Norddeutschlands mit 500 zu bewertenden Vögeln. Stolz war Heiko Werth, Vorsitzender des VZE Pasewalk/Strasburg, vor allem darauf, dass den Besuchern bei der Schau echte Seltenheiten präsentiert wurden. „Das ist auch für mich ein Erlebnis. Einige der Vögel habe ich auch noch nie gesehen“, sagte er und schaute begeistert in die Volieren der Opalracke, des Pagodenstars und des Brownsittichs. Ähnlich wie ihm ging es auch seinen Vereinsmitgliedern und den vielen neugierigen Gästen. Ganz dicht rückten sie mit ihren Nasen an die Volieren heran – damit ihnen auch ja kein Detail der bunten Vögelchen entging. Manche waren sogar zu mutig und steckten ihren Finger durch das Gitter, um die Aras anzulocken. „Wenn ihr den behalten wollt, würde ich das nicht tun“, warnte Züchter Peter Krüger so manchen waghalsigen Besucher und deutete auf den Finger. Doch einmal ermahnt, klappte es dann auch. Wer traut denn so hübschen Papageien so etwas auch zu? Apropos hübsch. Wussten Sie eigentlich, dass bei den Vögeln die Männchen hübscher sind als die Weibchen?

Der absolute Knaller der Ausstellung war übrigens der Berliner Uwe Kokott. Das heißt nicht er selbst, sondern seine begehbare Vogelvoliere. Die Vorpommern haben sich in seine zahmen Papageien förmlich verliebt. Karola Hamelton war hin und weg von einem Graupapagei. Doch nicht nur sie hatte den Vogel in ihr Herz geschlossen. So gab‘s vom Papagei glattweg ein Küsschen. Der Beginn einer tierischen Liebe also. Ganz begeistert von den bunten Vögeln war auch Gisela Zeipelt aus Rothenklempenow. Mit Apfelstückchen machte sie die Tiere glücklich.

Auf den richtigen Moment, auch einmal in die begehbare Voliere zu gelangen, wartete Christian Krüger. Denn der 24-jährige Torgelower ist Vereinsmitglied des VZE Pasewalk/Strasburg und ein echter Vogelfan. Gemeinsam mit seinem Vater Peter züchtet er Aras, Graupapageien und Kakadus. Zwingen musste ihn sein alter Herr zu diesem Hobby allerdings nicht. Er liebt Vögel. Und was mag er an ihnen am liebsten? Die Farbenpracht, natürlich! 25 bis 30 Tiere gehören zur Zucht der Krügers. Gerade ist Christian jedoch auf Vogelentzug. Er arbeitet derzeit in der Nähe von Bremenhaven. Zu weit weg also, um jedes Wochenende nach Hause zu kommen. „Die Tiere fehlen mir ganz schön“, sagt der Torgelower. Und das mag man dem jungen Mann gern glauben, wenn man sich seine Dunkelroten Aras so anschaut. Sie sehen wirklich toll aus. „Und sprechen können sie auch“, sagt Christian. Aber nur, wenn sie Lust haben und vor allem Worte, die sie mehrfach hören. Wenn Peter Krüger mal keine Kraft mehr hat, sich um die Vögel zu kümmern, würde Christian das Hobby der beiden gern weiterführen. Aber dieser Wunsch steht und fällt natürlich mit einem Job in der Heimat. Die Aras werden nämlich 60 bis 80 Jahre alt. „Das schaff ich nicht mehr“, lacht Peter Krüger. „Ich werde wohl früher den Löffel abgeben.“

Im Verein ist Christian Krüger der Jüngste.Und genau das macht dem Vorsitzenden Heiko Werth große Sorgen. Der Alters-durchschnitt im Verein liegt bei über 50. Auch die Mitgliederzahl ist zurückgegangen. „Momentan sind wir 27. Im Jahr 2000 zählten wir dagegen noch 40 Mitglieder“, sagt Werth. Der Pasewalker ist deshalb dankbar über jeden neuen Vogelzüchter in seinen Reihen. Wer Lust hat, kann gern mit dem Verein Kontakt aufnehmen.

 

 

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