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Diesen Rentnern stinkt der Dreck

VonFred LuciusAlle paar Meter Dreck: Dutzende Flaschen, Planen, Blumenkästen, Dachrinnen, selbst ein Vogelkäfig.Viel Unrat findet sich am Salzower Weg bei ...

Arbeitseinsatz am Solzower Weg bei Ramin: Werner Schmidt (von links), Kutscher Bodo Rennwanz und Günter Ladenthin kümmern sich um den Dreck.  Fotos: F. Lucius

VonFred Lucius

Alle paar Meter Dreck: Dutzende Flaschen, Planen, Blumenkästen, Dachrinnen, selbst ein Vogelkäfig.
Viel Unrat findet sich am Salzower Weg bei Ramin. Doch drei Rentner finden sich damit nicht ab.

Ramin.Werner Schmidt, Bodo Rennwanz und Günther Ladenthin grübeln und hegen einen Verdacht. Der Mann ist ein Trinker. Er bevorzugt Weizenkorn. Womöglich wohnt er in einem Neubau. Seine Familie und die Nachbarn dürfen nichts von dem Leeren der Kornflaschen merken. Daher entsorgt der Trinker sie still und heimlich entlang des Salzower Weges, der von Ramin nach Löcknitz führt. Hier sind die drei Senioren unterwegs, um links und rechts des Weges aufzuräumen. Etliche Eimer mit Flaschen stehen bereits auf dem Pferdehänger von Bodo Rennwanz. „Meist ist es die gleiche Sorte von Schnapsflaschen“, meint Werner Schmidt, der Vorsitzende der Raminer Ortsgruppe der Volkssolidarität.
Eigentlich wollten mehr Raminer an der Aufräumaktion teilnehmen. Letztlich waren es beim Termin dann nur noch Bodo Rennwanz mit seinem Pferd Max und Günter Landenthin. „Wir sind 32 Mitglieder in der Ortsgruppe. Viele sind nicht mehr gut zu Fuß und können daher nicht mitmachen“, sagt der 76-jährige Werner Schmidt.
Nach einer guten Stunde und 500 Meter ist der Pferdewagen zu mehr als die Hälfte gefüllt. Ganze Säcke mit Unrat finden sich entlang des Weges. „Ist es zu schwer, die Flaschen in Container oder Plaste in die gelben Säcke zu schmeißen?“, ärgert sich Werner Schmidt über den Umweltfrevel. „Wenn wir für zehn leere Flaschen eine volle bekommen würden, dann könnten wir eine ordentliche Sause machen“, ergänzt Günter Ladenthin. Der Dreck am Weg störe sie. Daher hätten sie zu der Aufräumaktion aufgerufen. Der Weg ist eine Gemeindestraße. Doch Beschäftigte über ABM und Ein-Euro-Jobs in der Gemeinde gibt es kaum noch. „Da müssen sich dann ein paar alte Rentner finden, die das machen“, meint Günter Ladenthin.
Entmutigen durch die Menge an Müll lassen sich die drei Männer keineswegs. „Wir sind selbst überrascht, was hier alles zusammenkommt. Vom Auto aus sieht man das gar nicht so. Wir machen so lange, bis der Wagen voll ist. Und wenn wir nicht fertig werden, müssen wir noch einen zweiten Tag ran“, sagt Werner Schmidt. Einmal im Jahr sollte die Reinigungsaktion schon stattfinden, sind sich die Raminer einig.