Gyrokopter:

DiNelly-Chef: Ist er das Opfer oder alles eine billige Masche?

Seit Jahren wiederholt sich im Leben von Richard Waidhofer, dem Chef des Tragschrauberherstellers DiNelly, anscheinend ein und dasselbe: Der Mann wird wiederholt Opfer von kriminellen Machenschaften und kann deshalb seine Projekte nicht, nur schwer oder nur verzögert realisieren. Aus Waidhofers Sicht ist das so auch in Pasewalk seinem Gyrokopter-Projekt ergangen.

Richard Waidhofer, eine Eigenveröffentlichung im Internet.
Screenshot DiNelly-Homepage Richard Waidhofer, eine Eigenveröffentlichung im Internet.

Die Mail, die dem Nordkurier zugeht, ist zweisprachig. Neben der Variante in Deutsch gibt es eine in Englisch. So agieren Unternehmen, die weltweit tätig sind – oder es sein wollen. Der Inhalt der Mail ist eine Behauptung: Pasewalk wird von einem schweren Subventionsbetrug erschüttert. Es geht um Unkorrektheiten im Zusammenhang mit dem Kompetenzzentrum für den Flugzeugbau und die Flugzeugentwicklung in Franzfelde. Die Staatsanwaltschaft Schwerin würde zwei Ermittlungsverfahren führen. Die Firma DiNelly allerdings sei „hierbei weder involviert noch Anzeiger“, heißt es weiter. DiNelly Aerosystems musste allerdings wegen „Einsturzgefahr aus dem Verwaltungsgebäude des KFF in Pasewalk“ in ein neues Flugzeugwerk umziehen.

Auf der Homepage von DiNelly Aerosystems wird der Fall richtig groß aufgezogen. Die Akteure, die der Firma Schaden zufügten, werden genannt. Die Liste ist lang und nennen Politiker, Wirtschaftsleute und auch Journalisten. Aufgrund der begangenen schweren kriminellen Handlungen zum Nachteil von DiNelly Aerosystems, so heißt es dort, habe es bereits hohe Verluste gegeben: Neben dem Produktionsverzug von 15 Monaten seien das rund 70 Millionen Dollar durch Verkauf und 2,38 Millionen Dollar Investment. Die Firma habe Imageschäden durch Rufmord und Hetzjagd, Lieferverzögerungen bei Kunden und Projektverluste hinnehmen müssen... Vergleichbares äußerte Waidhofer während des Arbeitsgerichtsprozesses am Donnerstag in Pasewalk. Auch in der Vergangenheit tauchen diese Formulierungen auf: Waidhofer als Opfer.

Dieselben Formulierungen - immer wieder

Dass Waidhofer auf die Falschen trifft, belegt unter anderem ein Bericht des Niederösterreichischen Pressedienstes, Ausgabe 987 (September 2008). Waidhofer war damals Chef der Firma Austrian-Airship und wäre fast Opfer Krimineller geworden. Betrogen fühlte sich der Mann damals von einem anderen Unternehmer, der mit seinem Unternehmen folgendermaßen vorging: Der Mann präsentierte, Zitat Waidhofer 2008, „sagenhafte Projekte und Ideen, die kurz vor der Umsetzung stünden. Bei genauer Überprüfung steckt jedoch selten etwas dahinter.“ Der Firmenmitarbeiter verspricht interessierten Investoren hohe Rendite und verlangt dafür als Gegenleistung einen Vorschuss, damit das Geschäft beginnen kann. Von mir wollte er drei Millionen Euro von einem Tag auf den anderen...“ Damals erklärte Waidhofer der Presse gegenüber, dass er die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft Wien mitteilen werde. Sein Vorwurf damals Insolvenzverschleppung, vorsätzlicher Betrug, Tatsachenvortäuschung und Verleumdung. Diese Formulierungen gebraucht Waidhofer auch heute, um zu rechtfertigen, warum es nicht vorwärts geht. Denn um seine Projekte realisieren zu können, ist Waidhofer heute ebenfalls auf interessierte Investoren angewiesen.

Sich selbst und seine Firma lobt er auf der Homepage in den höchsten Tönen. Wörtlich ist zu lesen: „DiNelly Aerosystems ist technischer Weltmarktführer, in 139 Länder weltweit tätig.“ Während des Arbeitsgerichtsprozesses Donnerstag sagte er, 27 Flugzeuge konstruiert zu haben. „Die Fliegen alle“ fügte er an. Derzeit allerdings verzögere sich alles, weil es in Pasewalk diesen riesigen Subventionsskandal gibt und er seine Firma verlegen musste.

Was die Anzeigen in Schwerin betrifft, so liegen sie wirklich vor, bestätigte auf Nachfrage Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek. „Anzeigen erstatten kann jeder“, sagte Urbanek. „Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der behauptete Sachverhalt Strafbestände erfüllt. Und wenn gegebenenfalls Tatsachen vorhanden sind, die einen strafrechtlichen Sachverhalt erfüllen, dann werden auch Ermittlungen aufgenommen.“ Es könne aber auch sein, dass das Verfahren eingestellt wird.