Richterspruch:

DiNelly muss blechen: 11 000 Euro für die Ex-Arbeiter

Sie haben um ihr Geld gestritten - und vor dem Arbeitsgericht in Pasewalk Recht bekommen. Direktor Richard Waidhofer muss einbehaltene Löhne an frühere Mitarbeiter der Gyrokopter-Firma DiNelly bezahlen.

Schnelles Geld ist gutes  Geld - wenn es um noch offene Lohnzahlungen geht und der Klageweg beschritten werden musste, um an das Geld zu kommen. Direktor Richard Waidhofer von der beklagten Firma DiNelly übergab Anwalt Michael Ammon (Foto) 1200 Euro. Über die noch offenen Lohnzahlungen wurden sich in diesem einen Fall beide Seiten über einen Vergleich einig.
R. Marten Schnelles Geld ist gutes  Geld - wenn es um noch offene Lohnzahlungen geht und der Klageweg beschritten werden musste, um an das Geld zu kommen. Direktor Richard Waidhofer von der beklagten Firma DiNelly übergab Anwalt Michael Ammon (Foto) 1200 Euro. Über die noch offenen Lohnzahlungen wurden sich in diesem einen Fall beide Seiten über einen Vergleich einig.

Geklagt hatten vor der 4. Kammer des Arbeitsgerichtes Neubrandenburg in Pasewalk Heike Z., Heiko G., Rene E., Matthias W. und Anja S. Teilweise ab März 2013 bis in den August hinein hatten die ehemaligen DiNelly-Mitarbeiter punktuell für mehrere Monate kein Geld erhalten. Ihre finanziellen Ansprüche bewegten sich zwischen 380,85 Euro Urlaubsgeld und 5040 Euro Lohn (brutto). In einem Fall ging es zusätzlich um angeblich ungenehmigte Mehrausgaben für eine betriebliche Grillparty, die eine Klägerin verantworten sollte. Firmen-Direktor Richard Waidhofer hatte das Geld mit ganz unterschiedlichen Begründungen nicht ausgezahlt. Er behauptete, dass Arbeitsverträge erschlichen oder mit einer betrügerischen Absicht abgeschlossen worden sind, dass Qualifikationen fehlten oder Mitarbeiter kein Interesse an Arbeit hatten. Die Anwälte der Kläger wiederum führten unter anderem Qualifikationsnachweise an und stellten in den Raum, dass unzureichende Arbeitsgeräte vorhanden waren.

Richard Waidhofer platzt fast der Kragen, als er von dem Urteil hört: In allen Fällen wird die Firma DiNelly verurteilt, die ausstehenden Löhne zu bezahlen. Insgesamt geht es um mehr als 11 000 Euro zuzüglich fünf Prozent Zinsen. Darüber hinaus hat der Beklagte die Kosten des Verfahrens zu tragen. Waidhofer kommentiert gegenüber dem Nordkurier das Urteil barsch: Natürlich werde er in Berufung gehen.

Insgesamt bot sich im Amtsgerichtsgebäude Pasewalk während der mehrstündigen Verhandlung ein bizarres Bild: Ein beklagter Firmenchef, der mehrmals eine persönliche Mitarbeiterin heranzitiert, um an die Kläger die Geldforderung sofort auszuzahlen. Doch nur in dem Fall von Heike Z. kam es wirklich so weit, dass ihr Anwalt Michael Ammon 1200 Euro entgegennehmen konnte. In einem anderen Fall spielt Waidhofer mit den Zahlen, nennt zuerst 1000 Euro, die er sofort zahlen möchte. Als die Richterin nachfragt, sagt er 900 Euro. Die Kläger lehnen das ab.

Im Verlauf der Verhandlungen versucht Waidhofer zusätzlich Anzeigen gegen die früheren Mitarbeiter wegen Sabotage, der Bildung einer kriminellen Vereinigung und wegen Diebstahls ins Spiel zu bringen. Das gehört aber nicht in die Verhandlung vor einem Arbeitsgericht. Er muss dafür immer wieder handfeste Zurechtweisungen durch Richterin Sabine Witt einstecken. Die Richterin begründete am Ende die Urteile des Kammergerichtes mit dem Rechtsanspruch der Kläger auf Lohn. Das würde sich aus den Arbeitsverträgen ergeben.

Am späten Abend, lange nach Abschluss der Verhandlung, schickt Richard Waidhofer eine Mail in die Welt, die Pasewalk weiter beschäftigen wird: Zu lesen ist dort, dass DiNelly nun wegen Einsturzgefahr aus dem Verwaltungsgebäude des Kompetenzzentrums  für den Flugzeugbau ausziehen musste. Und der Bau seines „eXoGyro“ wird sich nun um 15 Monate verzögern.