Kartoffeln selbst anbauen:

Ein Hobby, das Geld spart

Es ist ein Bild, wie aus der guten alten Zeit: Die  komplette Bauernfamilie ist auf dem Acker und bringt die Ernte ein. Aber das Bild täuscht: Landwirt ist keiner der Wolf-Geschwister oder der Helfer, die am Sonnabend in Rollwitz fleißig die Kartoffeln ernteten. Die Familien gehen ihrem Hobby nach.

Ronald Wolf führt die Zugmaschine. Im Schlepptau hat er den Hassia-Kartoffelroder, der jede Reihe einzeln aufnimmt.  
R. Marten Ronald Wolf führt die Zugmaschine. Im Schlepptau hat er den Hassia-Kartoffelroder, der jede Reihe einzeln aufnimmt.  

Ronald Wolf, auf dem Traktor sitzend, wendet sich immer wieder um und blickt dann erneut nach vorn. Ronald muss Spur halten. Bisweilen korrigiert er leicht das Lenkrad. Im Schlepp hat der Rollwitzer einen Hassia-Kartoffelroder, dessen Teller tief im Boden stecken und rotierend dem Förderband eine Menge Erde zuführen. Oben, auf dem Verlesetisch, kommen allerdings nur Kartoffeln und abgetrocknetes Kartoffelkraut an. Hier beginnt die Arbeit für Matthias Wolf, Torald Wolf, Peter Weber sowie Remo Grudzinski.  Sie sammeln auf dem Verlesetisch das restliche Kraut, gelegentlich auch hochgeförderte Steine, aus. Die sauberen Knollen fallen schließlich in den Bunker. Vor der nächsten Runde wird auf einen bereit stehenden Hänger abgebunkert. 

„Die Ernte ist für uns jetzt etwas einfacher“, sagt Torald Wolf. „Den Hassia-Kartoffelroder, ein schon gebrauchtes Gerät, haben wir vor Jahren aus Oberfranken geholt. Davor haben wir immer mit einem Siebkettenroder geerntet. Die  Kartoffeln mussten dann aber noch aufgesammelt werden.“ Auf einer rund 2500 Quadratmeter großen Fläche gleich hinter Rollwitz haben Wolfs die Sorte „Solara“ angebaut. Sie ist mittelfrüh, vorwiegend festkochend und garantiert immer gute Erträge.

"Diese Arbeit lohnt sich wieder"

Warum tut man sich diese Arbeit heute noch an? Denn echter Landwirt ist keiner der Kartoffelanbauer oder Helfer. Alle verdienen ihr Geld als Bauarbeiter, Schlosser oder Stellmacher. Ganz einfach, erzählt Torald Wolf. Die Familie hat noch immer eigenes Land, um Kartoffeln selbst anbauen zu können. Und dann die Preise. Gerade in diesem Jahr lohnt sich die Arbeit wieder.

Die Erzeugerpreise für Frühkartoffeln lagen im Juli  bundesweit bei rund 65 Euro für 100 Kilogramm. Vor einem Jahr waren es im Juli noch 25 bis 30 Euro. Mit dem steigenden Angebot im Herbst gingen die Preise wieder zurück. Derzeit liegen sie 30 Euro für 100 Kilogramm. Die beteiligten Familien essen natürlich die geernteten sechs oder acht Tonnen nicht allein auf. Wenn man aber einen Blick auf Wolfs Hof wirft, dann weiß man, wo die restliche Ernte bleibt. Die Familie mästet Kleinvieh als Festbraten. Es schadet also nicht, Landwirtschaft als Hobby zu betreiben.