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Erstrahlt DDR-Kaufhalle bald in neuem Glanz?

Die letzte DDR-Kaufhalle der Konsumgenossenschaft in Pasewalk fand bei der Versteigerung in Rostock einen neuen Besitzer. Was hat er damit vor?

Christel Kempke fegt gerade das Treppenhaus. Seit 1967 wohnt sie schon in dem Block am Pasewalker Volkskulturpark (VKP). Seit sechs oder sieben Jahren fällt der Blick der Seniorin von der Haustür aus täglich auf die leer stehende Kaufhalle gegenüber. Gleich kommen die Erinnerungen hoch: War das doch schön, als die damals Halle öffnete. Einkaufen gleich vor der Haustür. Die Anwohner waren traurig, als vor Jahren dann Schluss war, erzählt Christel Kempke. „Jetzt wohnen hier viele Ältere. Einkaufsmöglichkeiten wie bei Kaufland oder Aldi sind für viele weit weg“, sagt sie. Glücklich ist, wer noch Auto fahren kann.

Andere lassen sich mit dem Fahrdienst zum Einkaufen fahren. Manch einer quält sich noch zu Fuß ans andere Ende der Stadt, um wenigstens kleine Besorgungen zu machen. Glücklich sind vor allem die älteren Bewohner darüber, dass wenigstens das Bäckerauto mehrmals in der Woche vorbei kommt. Deshalb lasen die VKP-Anwohner vor Tagen in unserer Zeitung auch mit ein klein wenig Hoffnung, dass die Halle, die einst der Konsumgenossenschaft Anklam gehörte, versteigert werden soll. Das Mindestgebot: 5000 Euro. Die marode Halle fand auch einen neuen Besitzer, sagt der bei der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG Rostock für das Gebäude Zuständige. Aber wem das Gebäude jetzt gehört, das darf er nicht sagen.

„Es waren Leute da, die sich das Haus angeguckt haben“, erzählt eine weitere VKP-Anwohnerin. Die Anwohner hoffen nun, dass das niemand ist, der am Gebäude nichts macht und es verfallen lässt. Das Schicksal des Hotels an der Uecker liegt ihnen noch immer schwer im Magen. „Am liebsten wäre uns natürlich eine neue Einkaufsmöglichkeit“, meint Christel Kempke.

Zu denen, die das Schicksal der einstigen DDR-Kaufhalle verfolgen, gehört auch das Ehepaar Behnke. Beide arbeiteten dort. Walter Behnke war von 1975 bis zur Wende sogar Leiter der Einrichtung. Seine Frau Isolde kann sich noch an genaue Daten erinnern: „1971/72 wurde sie gebaut und dann am 8. Mai eingeweiht.“ Bernhard Müller war der erste Leiter. Die Halle gehörte damals zur Konsumgenossenschaft Löcknitz. Nach der Wende versuchte Marlies Fenske noch einen Neuanfang, scheiterte aber. „Die Waren konnten nicht so billig verkauft werden wie in den großen Ketten“, sagt Isolde Behnke. Sie bedauert, dass nach der Wende die Brigadebücher weggeworfen wurden. Da stand über die Halle und die Menschen, die dort einst arbeiteten, so viel drin. Nun sind alle ganz gespannt, was denn aus ihrem Supermarkt von einst wird.